Psychotherapie

Der Leidensdruck muss schon enorm sein, bevor sich Jemand einer Psychotherapie unterzieht. Die Befürchtung manipuliert, zu sehr verändert, oder gar mit seinen Schwierigkeiten abgewertet oder nicht ernst genommen zu werden sind einfach zu groß. Auch die Suche nach einem passenden Therapeuten, der dann auch noch einen freien Platz hat, gestaltet sich schwieriger als angenommen. Ein sowieso schon Unentschlossener gibt deshalb bereits im Vorfeld auf.

Diejenigen, die es dann doch geschafft haben, fragen sich ob der Therapeut und die Therapieform für sie selbst überhaupt passen. Die Sympathie ist vielleicht da, aber kann man sich mit dem ganzen Ballast und den bisher vielleicht selbst noch gar nicht so bewussten Tiefen zeigen? Schließlich begibt man sich in eine Situation, wie man sie bisher noch nie erlebte. Man ist ohne die gewohnte Struktur doch ziemlich schutzlos.

Der Therapeut hingegen muss sich einerseits einen fachlichen Überblick verschaffen, um welche Schwierigkeiten es sich beim Klienten handelt, und andererseits braucht er genug Empathie um sich vorzustellen, wie es Demjenigen wirklich geht. Dabei kommt es auch auf die leisen Zwischentöne an. Fakten alleine machen noch keinen Menschen aus.

Nachdem der Psychotherapeut sich vergewissert hat, dass der Hilfesuchende bei ihm auch wirklich an der richtigen Stelle ist, und z.B. nicht in ärztliche Hände gehört, beginnt die eigentliche Therapie. In vielen Fällen sollte ein gedanklicher Bezug zur Herkunftsfamilie hergestellt werden, weil die Erfahrungen aus der Kindheit immer unbewusst in die aktuelle Lebenssituation einfließen. Diesen Zusammenhang ohne therapeutische Hilfe zu verstehen ist fast unmöglich. Das Unbewusste ist eben bei jedem Menschen aktiv.

Im Zuge des Aufdeckens von Missständen im eigenen Leben entsteht eine Art Selbsterkenntnis, die alleine kaum erreichbar ist. Im geschützten Rahmen einer Therapie kommen auch Geheimnisse zur Sprache, die bisher nur im Verborgenen gärten und unterschwellig für so manche Symptome sorgten. Diese sind zunächst unangenehm und vielleicht auch der Grund, warum man bisher eine Therapie so vehement ablehnte. Nach einem anfänglichen Unwohlsein tritt aber eine deutliche Entlastung ein, die sich auch auf andere Lebensbereiche auswirkt.

Angegangene Probleme häufen sich jetzt nicht weiter an und stattdessen wird der Berg langsam abgetragen. Eine Portion Geduld und Zuversicht gehören aber auf jeden Fall dazu um dauerhaft Erfolge zu erzielen. Was sich in Jahren anstaute, kann sich nicht in ein paar Stunden lösen.