Ehetherapie

Ehetherapie ist eine therapeutische Unterstützung für verheiratete Paare. Leider wird Eheberatung oft erst in Anspruch genommen, wenn sich einer der beiden Partner schon fast zur Trennung oder Scheidung entschlossen hat. Der am häufigsten genannte Trennungsgrund ist das Fremdgehen oder sexuelle Lustlosigkeit eines Partners. Die meisten Paare melden sich wegen sexuellen Schwierigkeiten zur Ehetherapie an, oder weil sie entweder nicht mehr oder nur noch im Streit miteinander kommunizieren können.

Untreue entsteht erst dann, wenn über einen längeren Zeitraum hinweg Defizite in einer Partnerschaft bestehen. Je größer diese Defizite in einer Beziehung sind, desto intensiver ist das Verliebtheitsgefühl in der Affäre. Es besteht also ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Ehe und der Außenbeziehung. Die meisten Paare trennen sich nicht wegen einem Seitensprung, sondern setzen sich mithilfe einer Ehetherapie intensiv auseinander. Sie kommen sich im Laufe dieses, teilweise sehr schwierigen Prozesses wieder näher und die Außenbeziehung verblasst dadurch langsam.  

Am Anfang einer Beziehung stellt es eher ein Problem dar gelegentlich keinen Sex zu haben, während es sich nach einigen Jahren eher umgekehrt verhält. Es kursieren unrealistische Gerüchte darüber was die Häufigkeit der Sexualität in Langzeitbeziehungen anbelangt. Demnach findet in einer Ehe durchschnittlich zwei mal pro Woche Sex statt. Diejenigen, bei denen das nicht der Fall ist, leiden unter dem Gefühl unzulänglich zu sein. Tatsächlich haben viele Paare die mindestens zwei Jahre zusammenleben, höchstens einmal wöchentlich Sex. Bei Paaren mit Kindern findet oft nur alle zwei Wochen Sex statt. Dies wird natürlich in der Öffentlichkeit nicht zugegeben.

Die Ausnahme bildet der Urlaub. Hier fallen die Alltagsbelastungen weg und man betrachtet den Partner wieder mit anderen Augen. In einer intakten Beziehung steigt dann die Qualität und die Quantität der sexuellen Kontakte. Passiert auch in den Ferien wenig, sollten Sie entweder die Urlaubsplanung überdenken, oder eine Ehepaartherapie oder Paartherapie aufsuchen.

Sexualität kann nicht isoliert betrachtet werden, sondern ist ein Bestandteil der Beziehung. Sie ist eine Form der Kommunikation (die körperliche) und hängt mit dem Beziehungsgefüge und den aktuellen Lebensumständen zusammen. Das bedeutet konkret, dass in Zeiten des Nebeneinanderherlebens oder in Krisen, wenn überhaupt, dann nur ein sehr reduziertes Liebesleben miteinander existiert.

Der Zusammenhang zwischen der Sexualität und der partnerschaftlichen Kommunikation ist erheblich. Paare die wenig miteinander sprechen, entfernen sich auch körperlich voneinander. Für eine befriedigende Sexualität benötigen Sie sowohl wirkliche Nähe, als auch einen gesunden Abstand voneinander. Nähe wird oft mit gleich sein verwechselt. Sie sind jemandem nah, für den Sie sich auch dann interessieren, wenn er von Ihrer Bedürfnislage abweicht. Ein gesunder Abstand entsteht, wenn jedem neben dem guten Kontakt zueinander auch noch ein (begrenztes) Eigenleben zugestanden wird.  

Die größte Schwierigkeit in der Ehe ist die fehlende oder fehlerhafte Kommunikation zwischen den Partnern. Im Laufe der Jahre schleicht sich Sprachlosigkeit ein und der Alltagstrott nimmt überhand. Oft wissen Freunde oder Kollegen mehr über den Anderen als man selbst. Dazu führt u.a. auch die nicht vorhandene Zeit zu Zweit. Ohne gemeinsame Freizeit verkümmert jede Ehe und Partnerschaft auf Dauer. Eine Fern- oder Wochenendbeziehung verliert nach spätestens einem Jahr den inneren Kontakt zueinander. Diese innere Verbindung wieder herzustellen ist ein wichtiges Ziel der Ehetherapie.