Corona und was nun?

24.09.2020

Die Auswirkungen von Corona auf die Partnerschaft

Bevor uns dieser Virus heimsuchte, liefen viele Ehen und Beziehungen oft so nebenbei, es gab nur wenig Gründe sich darüber groß Gedanken zu machen. Natürlich ereignete sich die eine oder andere Krise, oder auch einmal ein Highlight, aber im Großen und Ganzen funktionierte die Partnerschaft. Jeder lebte sein Leben, (gelegentlich auch miteinander), sei es mit viel Arbeit, den Kindern, dem Haushalt, dem Freundeskreis, erfüllenden Hobbys, Partys oder tollen Reisen. Erwähnenswert wäre an dieser Stelle noch, dass ein nicht geringer Prozentsatz der fest liierten Partner manchmal, oder sogar dauerhaft, ernsthafte oder flüchtige Affären nebenbei pflegt, von denen der*die Partner*in bestenfalls etwas ahnt.

Die Fremdheit des Partners

Doch auf einmal fällt Einiges weg, oder wird zumindest erschwert, und dadurch entsteht eine gewissen Unzufriedenheit, die sich natürlich vor Allem auf die Beziehung auswirkt. Es kommt noch dazu, dass diese ungewisse Situation, die sich auf so viele Lebensbereiche erstreckt, die eigene Psyche, die des Partners und die der Bezugspersonen nicht unverändert lässt. Es treten Eigenschaften, Ängste und Verhaltensweisen auf, die man an sich und dem Anderen bisher nicht feststellte, und oft auch nicht schätzt. Es fühlt sich wie ein fremdes Leben an, auf das man nicht vorbereitet war.

Um damit irgendwie zurecht zu kommen, müssen Menschen ihr Verhalten und ihre Einstellungen verändern und sind dadurch in manchen Fällen nicht mehr Diejenigen, die sich der*die Partner*in für das gemeinsame Leben wählte. Das äußert sich sehr unterschiedlich und kann sich auf viele Gebiete erstrecken. Die Partnerschaft ist dadurch zum Teil extrem belastet. Seit Corona erlebe ich so viele Ehekrisen und Trennungen in meiner Praxis wie noch nie zuvor in meiner inzwischen 36 jährigen Tätigkeit.

Belastende finanzielle Themen in der Paarbeziehung

Es können z.B. bei manchen Menschen coronabedingt berechtigt, oder unberechtigt, Verarmungsängste ausgelöst werden. Dadurch entwickelt dann ein bisher großzügiger Partner geizige Züge, und verhindert in einer sowieso schon angespannten Lage, die kleinen und größeren Freuden des Alltags. Ziehen beide Partner jetzt am gleichen Strang, weil eine Veränderung des bisherigen Lebensstandards coronabedingt nötig ist, kann sich das verbindend auswirken. Schwierig wird es erst, wenn die Ängste des Einen überzogen sind, oder der Andere die notwendige Realität verkennt. Dies wiederum kann auch in der anderen Richtung ungesunde Züge annehmen. Eine fehlende Struktur in Bezug auf die Finanzen fällt so lange nicht auf, wie genügend materielle Mittel zur Verfügung stehen. Ändert sich das, dann kann das zur Belastung der Partnerschaft führen.

Die partnerschaftliche Sexualität auf dem Prüfstand

Auch auf die Sexualität wirkt sich Corona aus. Während des Lockdowns konnten Affären, Außenbeziehungen, Prostituiertenbesuche, virtueller Sex oder die Sexualität mit sich selbst nicht mehr so einfach gelebt werden, oder flogen sogar auf. Das wiederum führte mindestens zu einer Beziehungskrise, wenn nicht gar zur Trennung. Nicht nur in diesen Fällen wurde die partnerschaftliche Sexualität auf den Prüfstand gestellt. Nachdem ein einander Ausweichen nicht mehr so einfach möglich war, setzten sich manche Paare erstmals, oft auch in der Paartherapie, mit ihren sexuellen Wünschen und Bedürfnissen auseinander. Dabei fiel mir auf, dass viele Partner*innen bisher ihre sexuellen Wünsche lieber im Außen, oder mit sich selbst auslebten, um sie nicht mit dem Anderen teilen zu müssen. Ängste, Scham oder einfach die Gewohnheit manches für sich zu behalten spielen hierbei eine Rolle. Dieses Offenlegen der eigenen Sexualität kann die Partnerschaft beflügeln, oder sie belasten. Dazu muss ich allerdings anmerken, dass eine Beziehung schon sehr distanziert gewesen sein muss, damit die Partner überhaupt keine Ahnung von den sexuellen Vorlieben des Anderen haben.

Neue Arbeitsteilung bei der Familienarbeit

Auch das leidige Thema Arbeitsverteilung bei der Kinderbetreuung und dem Haushalt gerät coronabedingt wieder verstärkt ins Rampenlicht. Viele Frauen neigen immer noch dazu ihre berufliche Tätigkeit der Ihres Mannes unterzuordnen. Meistens wird das mit der geringeren Bezahlung begründet. Sie nehmen weniger verantwortungsvolle Stellen mit einer geringeren Stundenanzahl in Kauf, um dadurch eine größere zeitliche Flexibilität für die Familie zu erreichen. Dafür übernehmen sie den Hauptteil der Familienarbeit. Das geht so lange gut, bis sich die Rahmenbedingungen verändern. Arbeitet der Mann jetzt deutlich weniger, oder ist im Homeoffice, kann er seine fehlende Präsenz in der Familie nicht mehr mit seinem Arbeitspensum begründen. Es müssen neue Regeln aufgestellt werden und das bedeutet Stress. Genauso kann es zu Konflikten führen, wenn der Mann sich wegen Kurzarbeit oder Homeoffice mehr in die Familie einbringen will, und die Frau das als Eingriff in ihr Revier betrachtet. Er agiert vielleicht nicht in ihrem Sinne und bringt ihr bisheriges Konzept durcheinander, das ist durch die coronabedingten Veränderungen sowieso schon aus den Fugen geraten.

Das Fazit:

Durch Corona werden Schwachstellen in der Partnerschaft und der Familie aufgedeckt, und müssen angegangen werden. Je flexibler, psychisch gesünder und motivierter der einzelne Partner ist, desto höher ist die Chance die Beziehung auf neue Beine zu stellen.