Sich verlieben ist ein berauschendes Gefühl. Eine langfristig glückliche Partnerschaft kann sich daraus allerdings nur entwickeln, wenn die Lebensstile und Lebensziele der beiden Menschen annähernd zusammenpassen. Eine Vegetarierin und ein Metzger sind bestenfalls für eine Affäre miteinander geeignet, während ähnliche Interessen und ein vergleichbares Niveau bessere Zukunftsaussichten garantieren.
Erstaunlicherweise ist den Liebenden (meist unbewusst) von Anfang an klar, auf wen sie sich einlassen. Das Unbewusste sendet hier Signale an das Bewusstsein bevor man sich überhaupt näher kennen gelernt hat. Das Dechiffrieren dieser Signale wäre in den meisten Fällen gar nicht so schwierig, ließe man es nur zu. Rückblickend wird hier so Manchem Einiges klar. Beim Beratungsbeginn befrage ich alle Paare nach Ihrer Kennenlern-Situation und dem ersten, spontanen Eindruck von ihrem Gegenüber. Hier treten oft völlig unerwartete und kaum zu erklärende Aspekte zu Tage.
Zum Beispiel erlebte eine Klientin Ihren zukünftigen Mann am Anfang als zu klein für sich, obwohl er viel größer war als sie. Im Laufe der Eheberatung gestand er ihr ein, sich ihr oft unterlegen zu fühlen. Dies führte, bevor es thematisiert wurde, immer wieder zu unerklärlichen Problemen zwischen beiden.
Bei einem anderen Paar war der erste Eindruck des Mannes von seiner späteren Frau, dass sie ihm total verrückt erschien. Tatsächlich fiel es beiden nach der Verliebtheitsphase sehr schwer dem Anderen in seinen völlig unterschiedlichen Gedankengängen zu folgen.
Partner sollten genügend Übereinstimmungen mitbringen um sich zu verstehen und ausreichend Unterschiede aufweisen um sich interessant zu finden. Dieses Spannungsfeld darf auch in späteren Jahren nie ganz verloren gehen. Jeder Partner sollte seine eigene Persönlichkeit behalten und weiterentwickeln, ohne dabei den Kontakt zu seinem Gegenüber zu verlieren. Dabei muss es nicht immer harmonisch zugehen. Eine Scheinharmonie lebt auf Kosten der Liebe. Deshalb besser eine gelegentliche faire Auseinandersetzung mit anschließender Versöhnung als eine leblose Beziehung. Das bedeutet aber nicht, dass man einer Partnerschaft beliebig viel zumuten kann. Selbst eine stabile Basis garantiert unter Dauerbeschuss keine grenzenlose Sicherheit. Ein regelmäßiger Ehe- oder Partnerschafts-TÜV mit anschließender Kurskorrektur schadet keinem Paar.