Wochenendbeziehungen

10.08.2008

Wie tragfähig sind sie?

Fast jeder hat schon unfreiwillig einsame Nächte im Doppelbett, lange Abende wartend neben dem Telefon und als Einziger alleine auf Pärchenpartys verbracht. Vielleicht macht es auch manchmal Spaß tun und lassen zu können was man möchte und niemandem Rechenschaft ablegen zu müssen. Wenn nur nicht diese ständige Sehnsucht und das Tage zählen bis zum nächsten Treffen wären. Manchmal mischt sich auch noch dieser nagende Zweifel an seiner Treue darunter.

Dann endlich naht das Wochenende. Die Wohnung wird geputzt, Einkäufe getätigt und noch schnell ein Friseurbesuch dazwischen geschoben. Die letzten Stunden verstreichen qualvoll langsam. Kurz vor dem Treffen treten wieder diese Zweifel auf. Das letzte Telefonat verlief so kühl. Vielleicht freut der Andere sich gar nicht? Sind dessen Gefühle während der langen Trennungszeiten schon abgekühlt? Hat es überhaupt noch einen Sinn irgendwann zusammenzuleben? Passt man überhaupt zusammen?

Die Begrüßung verläuft erfreulich herzlich. Beide versuchen dem Partner die Erlebnisse der Zwischenzeit mitzuteilen. Das Abendessen und der Wein lockern die Stimmung und die Vorfreude auf die gemeinsame Nacht steigt. Eigentlich könnte der Liebste schon einmal näherkommen. Stattdessen verschwindet er auf unbestimmte Zeit im Bad. Endlich zusammen im Bett, erklärt der Partner unendlich müde zu sein und schläft auf der Stelle ein. Am nächsten Morgen wiederholt sich diese Enttäuschung. Es stehen nach dem Ausschlafen gemeinsame Verabredungen mit Freunden, oder der Familie an. Das Wochenende vergeht wie im Flug und es fanden kaum tiefe Gespräche und wenig körperliche Nähe statt. Kurz vor dem Abschied entsteht noch ein Streit wegen Banalitäten. Der nächste Besuch ist in weiter Ferne. Es stehen vorher noch einige Dienstreisen an.

So oder ähnlich könnte das Wochenende einer Fernbeziehung ablaufen. Sind auch noch Kinder daran beteiligt, wird alles viel schwieriger. Das Paar hat noch weniger Zeit füreinander, da die Kinder Aufmerksamkeit fordern.

Überdurchschnittlich viele Paare mit Wochenendbeziehungen finden sich in meiner Beratungspraxis ein. Die meisten haben sich entfremdet, und einer von beiden führt bereits eine Parallelbeziehung. Existiert die Fernbeziehung schon länger als ein Jahr, greift eine Paartherapie nur noch selten. Die innere Verbindung eines Paares bleibt nur dann bestehen, wenn vor der räumlichen Distanz schon eine tragfähige Bindung aufgebaut wurde, und die Trennung zeitlich begrenzt ist. Die Hoffnung auf ein baldiges Zusammenleben stabilisiert die Liebesbeziehung in dieser Zeit erheblich. Zudem sollten während der Trennungszeiten häufige Telefon- und sonstige Kontakte stattfinden. Entscheidend dabei ist das Gefühl am Leben des Partners auch weiterhin teilzunehmen.

Manche Menschen führen immer wieder Fernbeziehungen. Es zeigt sich meistens erst beim Zusammenleben, wie sehr sie die räumliche Nähe belastet. Sie erfinden ständig neue Gründe für ein ausgeprägtes Eigenleben. Mit einem ähnlich freiheitsliebenden Partner funktioniert eine solche lockere Beziehung für eine gewisse Zeit.