Wie Verliebtheit entsteht

09.01.2020

Was uns bei der Partnerwahl beeinflusst

Fast jeder von uns hat es schon mindestens einmal erlebt: plötzlich ist man verliebt! Manchmal passt uns weder die Person noch der Zeitpunkt und trotzdem können wir dieses umwerfende Gefühl nicht ignorieren. Es begleitet uns überall hin, es ist einfach nicht abzuschütteln. Man fühlt sich wieder jung und lebendig mit intensiven Gefühlsschwankungen, fast wie in der Pubertät. Die Höhen sind wundervoll und die Tiefen teilweise schwer zu ertragen. Um damit zurechtzukommen werden alle zur Verfügung stehenden Strategien eingesetzt, um zumindest die Tiefen mit Vernunft in geregelte Bahnen zu lenken. Es nützt meistens wenig. Es gibt nur zwei wirklich sichere Methoden mit der Verliebtheit umzugehen: entweder man gibt sich dem Gefühl und dem Menschen hin, oder man begibt sich auf Entzug. Letzteres bedeutet den totalen Kontaktabbruch. Zwischenlösungen führen leider zu keinem Erfolg.

Wie kommt Verliebtheit überhaupt zu Stande?

Jeder Mensch hat bewusste und unbewusste Auswahlkriterien: das Bewusste können Wunschvorstellungen über das Aussehen (hier spielt das Gesicht und der Gesamteindruck der Figur eine wichtige Rolle), eine ähnliche Herkunft, ein vergleichbares Bildungsniveau, das passende Alter, die Lebensziele und der Lebensstil sein. Das bedeutet auch, dass das gegenseitige Verständnis vorhanden und das Konfliktpotential gering ist.

Der unbewusste Anteil bei der Partnerwahl

Das Unbewusste erklärt sich aus evolutionsbiologischen Zusammenhängen. Ein spannendes Experiment dazu fand 1995 am Max-Planck-Institut in Plön statt. Prof. Manfred Milinski und Klaus Wedekind untersuchten hierfür die Wirkung des Körpergeruchs auf die Partnerwahl an 144 Studentinnen und Studenten.

Jeder Mensch hat eine nahezu einzigartige Kombination von 6-8 aus 2000 möglichen Immungenen. Menschen mit einer ähnlichen Kombination der Immungene können sich nicht gut riechen. Wohingegen unterschiedliche Kombinationen dazu führen, dass man sich gegenseitig anziehend findet. Die Nachkommen von unterschiedlichen Kombinationen sind besonders widerstandsfähig gegen Krankheitserreger.

Um dies festzustellen muss man sich erst einmal nahekommen. Der zunehmende Internetkontakt kann deshalb irreführend sein und sollte nur zur Vorauswahl dienen. Dies ist ein Beispiel dafür, warum so viele reale Treffen dann so enttäuschend enden. Der Geruch als wichtigstes Liebeskriterium klingt zunächst wenig romantisch, er sollte auch nur als die Eintrittskarte in eine mögliche Liebesbeziehung betrachtet werden. Es muss noch Einiges dazukommen.

Die Rolle der Optik bei der Partnerwahl

Ein weiterer evolutionsbiologischer Aspekt, den ich auch in meiner Praxis beobachten kann, ist dass das Aussehen als Auswahlkriterium bei Männern eine weitaus größere Rolle spielt als bei Frauen, bei denen eher das Gesamtpaket im Vordergrund steht. Attraktive Frauen werden als gesund und sexy eingestuft, während Männer zusätzlich noch gute Versorger darstellen sollen. Selbst die fortschreitende Gleichberechtigung von Mann und Frau, konnte bisher diese archaischen Muster kaum verändern.

Warum man sich immer wieder in einen ähnlichen Partner verliebt

Partnerwahl ist wenig vom Verstand gesteuert, sondern ein Zusammenspiel von Hormonen, Genen, sozialer Prägung und aktueller Lebenssituation. In der frühen Kindheit bilden sich Muster, die von der Beziehung zu den wesentlichen Bezugspersonen geprägt sind. Diese verinnerlichten Muster werden in den späteren Partnerschaften wiederholt. Menschen, die sich intensiv mit ihrer Psyche auseinandergesetzt haben, verändern dadurch ihre Partnerwahl. Sie entwickeln eine Möglichkeit das Gegenüber in seiner Bindungsfähigkeit einzuschätzen, nachdem sie ihre eigene Bindungsfähigkeit bearbeitet haben.