Weihnachten feiern mit der ungeliebten Familie des Partners?

22.11.2018

Gabriele Leipold als Expertin in der Morningshow mit Mike bei Radio Gong, 20.11.2018, zum Thema: Was macht man in Bezug auf Weihnachten, wenn man die Familie des Partners überhaupt nicht mag und er nichts davon weiß?

Soll ich meinem Partner sagen, dass ich die Familie nicht mag (eventuell ist es auch nur eine bestimmt Person)?

Es ist wichtig den Partner an wesentlichen Bereichen des eigenen Innenlebens teilhaben zu lassen. Natürlich darf jeder seine kleinen Geheimnisse haben, aber die Antipathie einem Teil seiner Familie gegenüber betrifft Sie Beide und deshalb sollte er es wissen.
Es stellt sich hier sowieso die Frage wie eng die Partnerschaft ist, wenn ihm etwas so Wesentliches bisher entgangen ist.
Man spürt sehr viel mehr als man weiß, und deshalb ist dem Partner wahrscheinlich sowieso bewusst, wie man zu seiner Familie steht und umgekehrt.
In den meisten Fällen beruht dieses Nicht-Mögen auf Gegenseitigkeit und deshalb bleibt es auch nicht lange ein Geheimnis.

Wie sage ich es meinem/meiner Partner(in) am besten?

Wie ich es dem Partner sage, dass ich seine Eltern, oder ein Elternteil, nicht mag, hängt natürlich davon ab, wie er selbst zu ihnen steht.
Außerdem sollte, wie bei allen wichtigen Gesprächen, ein geeigneter Rahmen und Zeitpunkt dafür gefunden werden. Das bedeutet genügend Zeit dafür einplanen, die Grundstimmung sollte so entspannt wie möglich sein, damit nicht noch ein weiteres Thema einfließt, und der Ort muss störungsfrei sein. 
Man kann dem Partner fast alles sagen, es kommt nur auf die passende Art und Weise an. Bei diesem sensiblen Thema muss man davon ausgehen, dass der Partner sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch dann verletzt fühlt, wenn man es sehr vorsichtig ausdrückt, weil seine Familie schließlich sein Ursprung ist. Er ist mit ihr verwoben, selbst wenn er das gar nicht unbedingt möchte.
Von der Körperhaltung her, sollte man sich ihm zuwenden und die Arme möglichst nicht verschränken.
Man könnte das Gespräch mit dem Partner z.B. so beginnen, dass man sagt: du bist mir sehr wichtig  und ich möchte, dass es Dir mit mir gut geht. Nur kann ich leider nicht immer alles möglich machen, auch wenn ich es mir selbst wünsche.
Es gibt eben auch Menschen, mit denen ich nicht warm werde.
Zu Deiner Familie kann ich einfach keine entspannte Beziehung aufbauen.
Ich befürchte dass das keine gute Basis für das Familienweihnachtsfest ist.
Dann können beide gemeinsam überlegen ob sie z.B. das Fest zeitlich begrenzen, getrennt feiern, nur mit der anderen Familie feiern, in die Karibik fliegen oder andere Lösungen finden.
Sich aber bitte keinesfalls dazu hinreißen lassen irgendetwas Negatives über seine Familie zu sagen.
Falls er Gründe für die Antipathie verlangt, muss man sehr vorsichtig sein und bitte nicht gleich eine ganze Litanei aufzählen, sondern nur etwas, dass ihn möglichst nicht verletzt.

Wie verhalte ich mich gegenüber der Familie meines Partner, wenn ich sie sehe?

In solchen Fällen sage ich immer, man muss sich nicht lieben, aber sich bitte respektieren.
Sich immer vor Augen halten, dass seine Familie zu seiner Entstehung und Entwicklung  beigetragen hat.
Es ist empfehlenswert bei einer unliebsamen Person genauso viele Positive wie negative Punkte zu  finden. Dadurch begegnet man ihr neutraler.
Gerade bei Familienfesten wie Weihnachten, würde ich mich auf keine kritischen Themen einlassen, ggf. das Thema unauffällig wechseln.
Sich bei kleinen, oder größeren gefühlten Provokationen zurücknehmen, so weit das geht.
Nach Möglichkeit höflich bleiben, und sich ab der mit dem Partner vorher vereinbarten Zeit gemeinsam zurückziehen.
Dieses Wissen um die zeitliche Begrenzung kann enorm hilfreich sein. Es wie eine anstrengende Dienstbesprechung betrachten. Das Honorar dafür ist die Liebe des Partners.

Soll ich etwas vorspielen und die paar Stunden einfach durchziehen?

Nur wenn das ohne allzu Großes sich Verbiegen möglich ist. Nicht jeder ist ein guter Schauspieler. Auf keinen Fall mit schlechter Laune dabei sein, das würden die meisten Menschen sowieso spüren.
Falls man es durchzieht, sollte man sich danach dafür mit etwas belohnen, auf das man sich währenddessen schon freuen kann.

Wie verändert sich dementsprechend auch die Beziehung zwischen mir und meinem Partner?

Vorteile: Es entsteht mehr gegenseitiges Verständnis, wenn man dieses schwierige Thema miteinander durchgestanden hat. Vielleicht sieht der Partner seine Eltern dadurch auch etwas weniger idealisiert. Das Paar arbeitet kreativ im Umgang mit der Herkunftsfamilie zusammen und kommt sich dadurch näher.
Nachteile: Falls es nicht gut läuft, steht das jetzt zwischen ihnen. Vor Allem dann, wenn der Partner von seiner Familie wenig abgenabelt ist. In einer intakten Paarbeziehung muss der Partner an 1. Stelle stehen, also auch vor seiner Herkunftsfamilie. Ist das nicht der Fall, steht die Partnerschaft unter keinem guten Stern.