Die einen erzählen eine Stunde lang ohne Luftzuholen von ihren Problemen und fragen dann; was haben Sie jetzt mit uns vor zu tun, welches Konzept haben Sie?
Andere kommen und beklagen sich über den Partner/die Partnerin und wollen dass er/sie sozusagen in Ordnung gebracht wird, weil er/sie schuld an den Problemen ist.
Wieder andere nehmen gleich die Schuld für alle Probleme auf sich und wollen selbst umerzogen werden.
Aber Eheberatung oder Paartherapie ist keine bloße Aneinanderreihung von Tipps oder Rezepten. Dafür bräuchte man keinen Eheberater, sondern dann täte es auch eine Checkliste! Es ist auch kein Reparaturbetrieb. Schuldzuweisungen sind in der Eheberatung nie konstruktiv, sie übersehen völlig die Wirkung der Beziehung. Alles, was in einer Paarbeziehung geschieht, hat seine Ursachen bei beiden Partnern.
Eheberatung und Paartherapie ist ein Prozess, der erstens Zeit braucht und zweitens dessen Ergebnis am Anfang nicht absehbar ist! Es muss sich entwickeln, wie es weiter gehen kann. Vieles ist nach der ersten Stunde noch nicht absehbar, weil sich im Laufe dieses Prozesses Tatsachen ergeben und Hintergründe bewusst werden, mit denen am Anfang niemand gerechnet hat, zumal manchmal wichtige Fakten in der Therapie erst spät (oder nie) erwähnt oder zugegeben werden. Das ist vielleicht einer der Gründe für die Angst vor der Eheberatung, dass man nämlich nie genau weiß, was am Ende herauskommt.
Viele Dinge, die in einer Partnerschaft falsch gemacht worden sind, sind aber nicht „falsch“, sondern vielleicht unklug, ungünstig, unangebracht, unverständlich oder dem anderen unangenehm. Aber der, der so gehandelt hat, hat seinen Grund, warum es das so tut und damit die Beziehung gefährdet, und es gilt herauszufinden, was ihn dazu bringt, und es ihm bewusst zu machen, damit es nicht mehr auf diese Weise zu tun braucht.
Denn Paare müssen letztendlich ihre Probleme selbst lösen, der Berater gibt nur Hilfestellung durch das Bewusstmachen von Tatsachen, Einstellungen und Verhaltensweisen, die sich auf die Beziehung auswirken, und durch Hinweise, wo und wie am einfachsten eine positive Änderung herbeizuführen ist.