Beim Anblick ihrer heranwachsenden Tochter wird jeder Frau zwangsläufig ihr zunehmendes Alter bewusst. Das Heranreifen der eigenen Tochter kann eine Mutter entweder schmerzlich berühren oder mit Stolz erfüllen, je nach ihrer Persönlichkeitsstruktur. Hat sie sich bisher hauptsächlich über ihr Äußeres definiert, wird sie ihre jugendliche Tochter eher als Konkurrenz erleben.
Frauen die keine zufriedenstellende Beziehung zu ihrer eigenen Mutter aufbauen konnten fällt es schwerer zu reifen. Ihnen fehlt eine innere Stabilität und sie definieren ihren Wert als Frau eher über ihr jugendliches Äußeres. Sie fühlen sich dann ihrem Alterungsprozess ausgeliefert, und kämpfen mit aller Kraft dagegen an. Dabei scheint ihnen fast jedes Mittel recht zu sein. Es ist ihnen sehr wichtig für die Schwester ihrer Tochter gehalten zu werden oder sie bezeichnen sich gar als deren beste Freundin. Dadurch wird die Generationengrenze ignoriert, die Mutter verliert ihre Würde und die Tochter damit ihre Mutter.
Jedes pubertierendes Mädchen muss sich zur Abnabelung vom Elternhaus mit den Eltern und vor allem mit der Mutter reiben. Dazu gehört auch, dass sie vieles an ihr „doof“ findet. Wie kann sie sich aber von einer Mutter abgrenzen, die mit ihr konkurriert oder sie gar imitiert? Die Tochter fühlt sich durch das für sie völlig unverständliche Verhalten ihrer Mutter total irritiert. Sie schämt sich dann entweder nur noch mehr für die „peinliche Alte“ oder die Ablösung gelingt ihr überhaupt nicht.