Häufiges Szenario in der Beratungsstunde: die beiden Partner streiten sich, ob oder wer wann was gesagt hat. Der Streit eskaliert bis zur Unversöhnlichkeit, selbst wenn es um relativ unwichtige Kleinigkeiten geht.
Es mag nun zwar eine objektive Wahrheit geben bezüglich der Tatsachen, aber es ist wichtig den beiden klar zu machen, das es nicht relevant ist, was absolut wahr ist und wer recht hat, sondern dass dies eine exemplarische Situation ist, aus der beide lernen sollen oder müssen, nicht auf ihrem Standpunkt zu beharren, sondern wirklich hinzuhören, was der Andere sagt und zu verstehen versuchen, warum er das sagt. Jeder von Beiden hat schließlich berechtigterweise seine eigene Perspektive.
Es gilt zuerst auch hier das alte Prinzip der Kommunikation: gesagt ist noch nicht gehört, gehört ist noch nicht verstanden, verstanden ist noch nicht begriffen. Sodann ist das Verständnis auch noch überfrachtet mit Erwartungen oder Befürchtungen, die die wahrgenommene Botschaft bis zur Unkenntlichkeit verfälschen können.
Es ist nicht hilfreich, wenn einer der Partner glaubt und darauf besteht im Besitze der Wahrheit zu sein, da dies leicht als Machtinstrument missbraucht werden kann und der Andere bloßgestellt und klein gemacht erscheint.
Ähnliches gilt für den ebenso absoluten Begriff „Schuld“: selbst wenn sich ein Partner gegen den anderen oder gegen den Geist der Partnerschaft vergangen hat, bringt es nichts zu sagen, er sei schuld an der Situation, da dies schon impliziert, er sei allein schuld und der Andere sei damit unschuldig. Und der kann sich dann bequem zurücklehnen, da ja ersterer den Fehler gemacht hat und also nur der Andere behandelt werden muss.
Wenn z.B. einer fremdgeht, stellt sich schon die Frage, warum der andere Partner das nicht merkt. Das bedeutet nämlich, es entgehen ihm wesentliche Dinge in der Partnerschaft. Vielleicht ist er so wenig sensibel, vielleicht will er es auch gar nicht so genau wissen. Jedenfalls ist er am desolaten Zustand der Partnerschaft durchaus wesentlich beteiligt.
Es gibt also keine absolute Schuld in der Partnerschaft, sondern bestenfalls eine Ursache-Wirkungsbeziehung, wobei einer von Beiden als Erster zum Symptomträger für Defizite in der Partnerschaft wird.
Eheberatung ist kein Reparaturbetrieb für defekte Partner, sondern, wenn überhaupt, Klärungsinstrument für Partnerschaften, an denen zwei beteiligt sind, die in solchen Fällen immer alle beide erhebliche Fehler gemacht haben.