Stillen ist für Mutter und Kind das Natürlichste und Gesündeste. Ein Neugeborenes, das nach der Geburt auf den Bauch gelegt wird, sucht den Weg zur Mutterbrust und beginnt daran zu saugen. Das Baby erhält Nähr- und Abwehrstoffe, die in der Kuh- oder Kunstmilch nicht enthalten sind. Bei der Mutter zieht sich durch das Saugen des Babys die Gebärmutter zusammen und die Rückbildung wird beschleunigt. Doch nicht nur rein medizinisch betrachtet wirkt sich das Stillen positiv aus. Die Einheit von Mutter und Kind, die sich während der Schwangerschaft entwickelte, wird durch das Stillen auf eine andere Art fortgesetzt.
In letzter Zeit entwickelten sich kontroverse Debatten darüber wie lange ein Kind gestillt werden sollte. Von einer Buchautorin angeregt, wurde das Langzeitstillen von manchen Müttern regelrecht idealisiert. Dabei war nicht etwa eine Stillzeit von einigen Monaten, sondern von mehreren Jahren, bis hinein in die Schulzeit gemeint. An dieser Stelle scheiden sich die Geister und werden unsachlich, schon alleine weil hier ein Tabuthema berührt wird. In der Öffentlichkeit hat das Stillen in unserer Gesellschaft ohnehin keinen Platz, obwohl die meisten Frauen ihren Babys einige Monate die Brust geben. Jetzt mag so Mancher meinen, dass es ganz alleine die Sache einer Frau ist, wie lange sie ihr Kind an ihre Brust lässt. Natürlich hat er damit nicht ganz unrecht, aber die Auswirkungen auf die ganze Familie sind nicht zu unterschätzen.
Eine Frau, die mit einer gesunden Persönlichkeit ausgestattet ist, orientiert sich daran was ihr Baby braucht, statt ihre Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen. Jeder Säugling, der die Möglichkeit erhält sich zu entfalten, durchläuft verschiedene Entwicklungsstufen. Dazu gehört auch (nach der gelungenen Mutter-Kind-Symbiose) die schrittweise Abnabelung von der Mutter. Mit spätestens einem dreiviertel Jahr zeigt das Kind zunehmend weniger Interesse an Mutters Brust, stemmt sich von ihr ab und möchte mit Essen experimentieren. Eine unsichere Frau macht dem Kind deshalb Schuldgefühle und leidet unter Trennungsängsten. Sie lässt dieses Entwicklungsstadium entweder nicht oder kaum zu. Das Kind lernt dann früh zu Gunsten der Mutter eigene Bedürfnisse in den Hintergrund zu stellen.
Auch der Vater spielt hier eine wesentliche Rolle: als Vater für das Kind und als Partner für die Frau. Indem er eine eigene Beziehung zu dem Kind aufbaut, besteht gar nicht die Gefahr einer unbegrenzten Mutter-Kind-Symbiose. Das Kind muss sich ihm ohne Loyalitätskonflikte der Mutter gegenüber zuwenden können. Dies funktioniert umso besser, je positiver die Mann-Frau-Beziehung zwischen den Eltern auch nach der Geburt des Kindes ist. Die Sexualität des Paares wird durch Langzeitstillen (mehr als 1 Jahr) deutlich beeinträchtigt. Die Frau teilt ihren Körper zuerst in der Schwangerschaft und auch anschließend während des Stillens mit dem Baby. Handelt es sich aber inzwischen nicht mehr um einen Säugling, sondern um ein Kind an ihrer Brust, so sollte sie sich Gedanken über mögliche Hintergründe bei ihr machen. Stabilisiert sie sich über das Kind und füllt damit eigene Defizite auf, oder benutzt sie das Kind als Schutz gegenüber ihrem Mann? Was auch immer dahinterstecken mag, es ist nicht alleine ihre Angelegenheit, sondern betrifft auch in hohem Maße ihr Kind und ihren Partner.