Die plötzliche Aufdeckung von scheinbar endlosen Missbrauchsfällen durch kirchliche Würdenträger wirft doch einige Fragen auf. Die wohl vordringlichste davon ist, warum alle Beteiligten so lange weggesehen haben. Kritik an dem System der katholischen Kirche war lange Zeit tabu und damit durften Verdachtsmomente auch nicht wahrgenommen werden.
Nüchtern betrachtet, muss man doch damit rechnen, dass bei einem Großteil der Menschen, die sich freiwillig hinter Klostermauern begeben, wo sie ihre Sexualität nicht selbstverständlich ausleben können, die Möglichkeit einer Partnerschaft und Familiengründung aufgeben und kein selbstbestimmtes Leben mehr führen, irgendwann eine Überforderung eintritt. Ein Klosteraustritt stellt eine zu große Hemmschwelle dar, deshalb wird vieles unterdrückt und sucht sich andere Ventile.
Hinzu kommt, dass diesen Menschen, die in unserem Sinne kein normales Leben führen, auch noch besondere Achtung und überdurchschnittliches Vertrauen entgegengebracht wird. Eigentlich müsste man ihnen mit Vorsicht begegnen. Jeder Mensch ist ein sexuelles Wesen, man kann sich dem nicht entziehen und nur den allerwenigsten ist es gegeben ihre Sexualität in rein Geistiges zu sublimieren. Dies dürfte wohl auch mit ein Grund für den Rückgang der Klostereintritte sein.