Sexualität in Langzeitbeziehungen

18.09.2017

Wunschdenken und Realität

Sexualität ist zwar überall ein Thema, fehlende oder lustlose Sexualität dagegen ist ein Tabu. Wer gibt schon gerne zu nur ein paar mal jährlich, oder gar nicht mehr Sex zu haben? Also leiden viele Menschen in Langzeitbeziehungen oder -Ehen schweigend vor sich hin. Entweder der Partner hat keine Lust mehr oder man hat selbst keine Lust mehr auf den Partner. Falls doch einmal etwas zustande kommt, dann meistens ohne große Begeisterung. 

Am Anfang sprühen noch die Funken

Was führt zu diesem Dilemma? Überraschenderweise stelle ich immer wieder fest, dass bei einigen dieser später lustlosen Paare am Anfang auch nicht gerade die Funken im Bett sprühten, oder wenn dann nur für sehr kurze Zeit. Im ersten Jahr einer Beziehung ist die Anziehungskraft zwischen den Partnern üblicherweise so groß, dass sie die Finger kaum voreinander lassen können und es nicht beim Kuscheln bleibt. Später ebbt die Lust etwas ab, besteht aber weiterhin noch auf einem ganz guten Niveau. Anders bei Paaren, die schon zu Beginn eine Beziehung führen, in der die Sexualität keinen großen Stellenwert einnimmt. Später wird sie deutlich weniger und versiegt schließlich ganz.

Kinder als Einschnitt

Paare, die anfangs viel Lust aufeinander hatten und trotzdem später in einer erotischen Wüste miteinander leben, erlitten meistens irgendwann einen massiven Einschnitt in ihre Beziehung. Häufig bekamen sie Kinder. So bereichernd ein Kind für die Partnerschaft sein mag, so tödlich ist es für die Sexualität des Paares. Nur wenige Paare finden nach der Geburt des Kindes, oder der Kinder wieder zu einer auch nur annähernd erfüllenden Sexualität miteinander zurück.

Es leiden beide

Der Körper der Frau schaltet mit der Geburt des Kindes hormonell auf Brutpflege um und sie interessiert sich meistens nur dann wieder für ihren Mann um ein weiteres Kind zu zeugen. Nach Abschluss der Familienplanung findet zwischen den Eltern nur noch bemühte Sexualität statt. Das klingt jetzt so, als würden die Frauen ihre Männer nur als Samenspender benutzen, was aber überhaupt nicht der Fall ist! Viele Frauen leiden enorm unter diesem Verlust. Sie lieben ihren Mann, begehren ihn aber nicht mehr und befürchten ihn dadurch zu verlieren. 

Es gibt keine Patentrezepte

Was kann man dagegen tun? Nach jahrzehntelangem Überlegungen, bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass das Meiste, das bisher empfohlen wurde, nichts hilft. Natürlich schadet es nicht mehr Zeit miteinander zu verbringen, Gespräche zu führen, öfter einen Babysitter zu nehmen, sich gegenseitig zu unterstützen, neues im Bett auszuprobieren usw. 

Die Spannung muss wieder stimmen

Sexualität beginnt aber im Kopf und der Partner ist am Anfang der Beziehung spannend besetzt: es wird vieles auf ihn projiziert das ihn erotisch erscheinen lässt. Sobald aber der Alltag in die Beziehung einkehrt, was mit gemeinsamen Kindern im Übermaß stattfindet, lässt diese spannende erotische Fantasie über den Partner nach und wird in eine Arbeitsgemeinschaft umgewandelt.

 

Entscheidend ist es jetzt die Spannung wieder in der Beziehung entstehen zu lassen und das geschieht durch eine Umstellung vieler Lebensgewohnheiten, einer veränderten Sicht auf sich und den Partner und mit professioneller Unterstützung.