Motivationen für eine Heirat

02.04.2017

Manche Paartherapie beginnt schon nach der Hochzeit

Eine Hochzeitseinladung kommt für so Manchen völlig überraschend: was, die wollen heiraten? Die sind doch erst so kurz zusammen und streiten sich dauernd, oder leben seit Jahren nebeneinander her, oder passen doch gar nicht zusammen. Außenstehende beurteilen eine Partnerschaft oft aus ihrer eigenen Perspektive, die sie durch eine Heirat in ihrem Umfeld überdenken müssen. So eine Hochzeit bewegt die Gemüter. 

Was aber sind die häufigsten und wichtigsten Gründe für eine Heirat?

Die Liebesheirat

Zuallererst rangiert hier natürlich die Liebesheirat. Sie ist der romantischste Grund für eine Eheschließung. In diesem Zusammenhang bedeutet Liebe die Begeisterung für einen Menschen, gepaart mit dem Bedürfnis das ganze Leben miteinander teilen zu wollen und das nach Außen hin zu dokumentieren. Meistens erfolgt eine Liebesheirat in den ersten Jahren der Beziehung, wenn von der Verliebtheit noch etwas zu spüren ist. Die Haltbarkeitschancen hängen davon ab, ob das Paar noch während der ersten Idealisierungsphase heiratete, oder bereits an der Beziehung arbeiten musste. 

Die Langzeitbeziehungsheirat

Als nächstes folgt die Heirat in einer Langzeitbeziehung. Hier entsteht beim Paar der Eindruck, dass sie sich schon gut genug einschätzen können und die Risiken eines Scheiterns damit minimieren. Sie sind zusammengewachsen und möchten ihrer Beziehung damit noch eine weitere Dimension hinzufügen. Oft geschieht das durch irgendeinen Einfluss von Außen. Zumindest ein Partner ist hier aus unterschiedlichen Gründen sehr vorsichtig. Diese Ehen können sehr stabil sein, wenn sie sich noch ein paar Liebesgefühle erhalten und ihre Sexualität auch weiterhin pflegen. 

Die Versorgungsheirat

Die Versorgungsehe muss nicht unbedingt nur zwischen Menschen aus verschiedenen Kulturen stattfinden. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass falls tiefere Gefühle füreinander existieren, sie dann einseitiger Natur sind. Man arrangiert sich miteinander, schätzt sich aber vielleicht auch. Dies funktioniert so lange, bis einer von Beiden sich verändert und dann mit den Defiziten nicht mehr weiterleben kann. Eine gemeinsame Entwicklung ist hier kaum möglich, weil zwischenmenschliche Faktoren bei der Partnerwahl kaum eine Rolle spielten. 

Welche Heiratsmotivation ist also die Beste?

Als Paartherapeutin bekomme ich Paare aus allen Motivationsgruppen zu sehen, wobei die Grenzen zwischen den Gruppen fließend sind. Eine Ehe ist für die meisten Menschen, selbst in unserer Zeit, etwas Wichtiges, und zumindest Einer versucht daran festzuhalten. Für den Erfolg einer Paartherapie ist es entscheidend wie günstig ein Paar kombiniert und wie entwicklungsfähig jeder Einzelne ist.

Die passende Kombination fällt bei den meisten Versorgungsehen weg. Bei einer spontanen Liebesheirat kommt es darauf an, ob die Partner auch nach der ersten Idealisierungsphase noch genug Überschneidungen haben. Grundsätzlich müssen aber ihre Chancen nicht unbedingt schlechter stehen als die der Langzeitpaare, bei denen sich schon ein Nebeneinander eingeschlichen haben kann, das manchmal schwer aufzubrechen ist. Dafür sind die Langzeitpaare aber auch schon krisenerprobt.

Jede Beziehung hat ihre Stärken und Schwächen und es geht nicht darum perfekt zu sein, was sowieso nicht möglich ist, sondern dran zu bleiben.