Liebestöter

11.03.2012

schaffen Distanz ohne Worte

Als kleines Mädchen hörte ich meine Tante einmal zu einer anderen Familienangehörigen sagen sie vertreibe mit ihrer Unterwäsche jeden Mann aus einem Quadratkilometer Umkreis. Dieser Satz, den ich damals noch nicht so ganz einordnen konnte, setzte sich vielleicht gerade deswegen bei mir fest. Fortan überlegte ich mir häufig, wie eine derartige Unterwäsche wohl aussehen möge und welche Dessous Männer bevorzugen. Im Rahmen meiner Tätigkeit in der Sexualberatung erhielt ich auf diese Frage auch ungefragt viele unterschiedliche Antworten.  

Jeder Mann hat natürlich seine Vorlieben, aber „je knapper desto besser“ hatten sie bisher alle gemeinsam. Auch die Farbe Weiß wird von Männern nicht so unbedingt geschätzt. Die am häufigsten genannte Farbe ist schwarz, gefolgt von rot und farbig. String-Tangas sind nicht immer erwünscht, werden aber selten direkt abgelehnt. Es kommt eben auch darauf an, wie die Frau mit ihrer Wäsche rüberkommt. Sie sollte auch dazu stehen, was sie trägt, und darf sich keinesfalls verkleidet oder unwohl fühlen. Unterwäsche kommt uns schließlich körperlich dauerhafter nah als alles Andere.

Manche Männer beklagen sich aber regelrecht über die Unterwäsche ihrer Partnerinnen. In diesen Fällen muss man unterscheiden zwischen denen mit überzogenen Ansprüchen und den Männern, deren Frauen tatsächlich Liebestöter tragen. Gerade Letztere legen in der Regel keinen großen Wert auf ihr Äußeres und sind der Meinung der Mann sollte sie ihrer selbst wegen lieben. Meine Antwort darauf lautet dann meistens, dass es bei der Sexualität schließlich nicht um die inneren Werte geht.  

Der Gleichberechtigung wegen muss ich unbedingt erwähnen, dass auch ein Teil der männlichen Bevölkerung wenig Wert auf das Äußere und damit auch auf die Unterwäsche legt. Deren Frauen beklagen dann sogar noch die mangelnde Hygiene und / oder den Bauchumfang ihres Mannes. Liebestöter existieren also auf beiden Seiten. Beim Mann nennt man das dann: „weißen Doppelripp mit seitlichem Eingriff“.

Was aber veranlasst einen Menschen sich dem Partner (und vor allem sich selbst) nicht mit ansprechendem „Darunter“ zu präsentieren? Oft steckt fehlendes Annehmen des eigenen Körpers dahinter. Diese Menschen haben sich, aus welchem Grund auch immer, entweder nicht ausreichend mit dem gleichgeschlechtlichen Elternteil identifiziert, oder dieser war selbst in seiner Geschlechtsrolle verunsichert. Ein weniger unbewusster Aspekt ist, sich das andere Geschlecht mit der Kleidung und der Unterwäsche auf Abstand zu halten. Hierbei handelt es sich häufig um Menschen, die als Kind Übergriffe erlebten.