Auf meine Frage an getrennte oder verwitwete Frauen ab ca. 50 Jahren wie Sie sich ihr weiteres Leben vorstellen, folgt oft die Antwort: „ohne Mann!“. Es kommt dann meistens die Einschränkung, dass es schon einen Freund für Unternehmungen oder gelegentliche schöne Stunden geben dürfe. Es sollte sich aber um nichts Festes und keinesfalls um einen Lebensgefährten handeln. Alleinstehende Männer dagegen schließen eine zukünftige Lebensgemeinschaft nicht aus. Wie kommt dieser Unterschied zustande?
Die Begründungen der Frauen sind meistens ähnlich:
- sie möchte selbst bestimmen , wie und mit wem sie ihre Freizeit verbringt
- sie hat kein Interesse daran für einen Mann die Hausarbeit zu erledigen
- der Haushalt für sie allein erfordert viel weniger Aufwand
- sie hat keine Lust mehr täglich zu kochen
- sie möchte nicht mehr für gute Stimmung sorgen müssen
- sie will sich mit der männlichen Sexualität nicht permanent auseinandersetzen
müssen
Aus dieser Aufzählung geht deutlich hervor, dass so manche reifere Frau einen Mann überwiegend als Belastung erleben muss. Jüngere Frauen hingegen legen Wert auf eine Lebensgemeinschaft oder Ehe und möchten sich kein Leben alleine vorstellen. Was ist den Frauen in der Zwischenzeit passiert? Die Familiengründung steht bei jungen Frauen im Vordergrund. Dafür nehmen sie auch einige Anstrengungen und Nachteile in Kauf. Ihre Kräfte sind in dieser Zeit fast unerschöpflich, die sie auch für so manche durchwachten Nächte für die Kinder, die Beziehungsarbeit mit dem Ehemann, das Behaupten im Beruf und die Haushaltsführung brauchen.
Mit zunehmendem Alter lassen die Kräfte etwas nach, und die Frau muss sich (vor allem während ihrer Hormonumstellung) auch einmal mit sich selbst befassen. Sie entdeckt dadurch so manche bisher brach liegenden Seiten und Interessen. Indem sie diesen nachgeht, wird sie für ihren Partner unbequemer und es beginnen Positionskämpfe. Diese Auseinandersetzungen könnten eine Chance für das Paar zu einem neuen Miteinander darstellen. Der Ausgang hängt von der Flexibilität des Einzelnen, vor allem des Mannes ab. Die Frau ist zu dieser Zeit weniger kompromissbereit. Sie hat das Gefühl endlich selbst dran zu sein.