Meist wird die Entspannung der belastenden Situation als ein Therapieziel ersehnt. Es werden Tipps von der Therapeutin erwartet, mit denen man sich der kritischen Punkte möglichst schnell und endgültig entledigen kann. Diesem Wunsch nachzugeben würde, falls es überhaupt funktioniert, nur kurzfristig zu Entlastung führen. Natürlich muss bei einer Krisensituation der Therapeut zuerst die Wogen glätten, aber anschließend beginnt die eigentliche Arbeit. Die Probleme scheinen kurzfristig erledigt zu sein. Die Paare fühlen sich schon sehr viel besser als während der Krise und und würden es am liebsten dabei belassen. Warum weiter an etwas rühren, wenn doch alles wieder gut läuft? Das Frustrierende daran ist nur, dass ohne tiefergehende Bearbeitung die Probleme früher oder später doch wieder auftauchen.
Bei einer analytisch fundierten und damit aufdeckenden Therapie bedeutet dies, dass die eigentlichen Gründe für das wiederholte Auftreten solcher Situationen und Konflikte bewusst gemacht und bearbeitet werden. Das heißt aber traumatische Kindheitserlebnisse, unbewusste Wünsche und Ängste der Partner müssen erst einmal herausgearbeitet und die Ursachen aufgedeckt werden. Und es bedeutet somit auch, dass Streits ausgetragen werden, wenn auch jetzt in der geschützten Atmosphäre der Therapie.
Und so können sich im Laufe der Therapie entspanntere Phasen mit neuen, konfliktreicheren ablösen, wenn wieder tiefere psychische Ebenen berührt werden. Dieser Prozess kann durchaus anstrengend sein und ist es im Regelfall auch. Erst damit ist es dann aber meist möglich die wirklichen Ursachen und die entsprechenden psychodynamischen Mechanismen für die Konflikte zu verstehen und deren Wiederholung zu vermeiden oder aber, falls sie unlösbar sind, besser mit ihnen umzugehen.