Inzest

14.09.2008

Die Dunkelziffer ist sehr hoch

Weltweit werden täglich unzählige Kinder und Jugendliche von Familienangehörigen sexuell missbraucht ohne dass Außenstehende es bewusst wahrnehmen. Allein in Deutschland sind es jährlich 20 000 registrierte Fälle. Vertraut sich das Opfer jemandem an, so wird ihm entweder nicht geglaubt, oder die Angst vor den Konsequenzen verhindert ein Eingreifen. Also bleibt das Martyrium über Jahre weiterhin bestehen.

Wie kommen Eltern (meistens ist es der Vater) dazu das eigene Kind sexuell zu belästigen? Bei einem normal entwickelten Menschen schaltet sich die Inzestabwehr gegenüber Familienangehörigen ein. Das bedeutet, dass schon bei den sexuellen Fantasien und Gedanken Verwandte nicht vorkommen. Die Vorraussetzung für diesen Schutz ist eine eigene weitestgehend stabile Kindheit der Eltern.

Familientraditionen setzen sich leider auch in negativen Bereichen fort. Sexuell missbrauchte Kinder ohne therapeutische Behandlung werden leichter ebenfalls missbrauchende Eltern. Bei diesen Menschen läuft dann ein Programm ab, das sie ohne fremde Hilfe kaum stoppen können. Ihr Trieb ist stärker als der Verstand. In anderen Lebensbereichen funktionieren sie meistens einwandfrei. Leider ist der Partner oft ähnlich strukturiert und duldet oder „übersieht“ den Missbrauch. Manche Mütter opfern regelrecht ein Kind für den Preis des ansonsten friedlichen Familienlebens.

Missbrauchte Kinder schonen auch als Erwachsene noch die den Inzest billigende Mutter. Sie möchten sich um jeden Preis zumindest ein Elternteil erhalten. Nur jede zehnte Mutter unterstützt ihr Kind im Missbrauchsfall. Auch in unserer Rechtsprechung kommen Mütter im Falle eines Inzests meistens ungeschoren davon. Sie wussten einfach nichts.