Innerlich gekündigt?

31.08.2018

Entscheidungshilfe Paartherapie

Ein Partner geht davon aus in einer glücklichen Beziehung zu leben während der Andere bereits innerlich gekündigt hat. Das erleben immer wieder Menschen, die aus allen Wolken fallen, weil ihr Partner sie plötzlich verlässt, fremdgeht, oder unter Alkoholeinfluss Dinge von sich gibt, mit denen sie niemals gerechnet hätten. Die Vorstellung genau zu wissen, was im Partner vor sich geht, ist wohl ein barmherziger Selbstschutz um nicht verunsichert durchs Leben gehen zu müssen. Aber verhindert diese verklärte Wahrnehmung nicht die ehrliche innere Annäherung?

Unbequemes wird ausgespart

 

Der routinierte Alltag bestimmt auch das Beziehungsleben und ist nötig um die anstehenden Aufgaben einigermaßen zu bewältigen. Würden wir uns und die Partnerschaft ständig hinterfragen, bliebe dafür einiges Andere auf der Strecke. Allerdings gibt es zwischen dem ständigen Hinterfragen und der Annahme das gar nicht tun zu müssen, weil man ja sowieso weiß was im Partner vor sich geht, viele Zwischentöne.

Das Problem wächst

 

Idealerweise müsste eine Beziehung regelmäßig gemeinsam auf den Prüfstand gestellt werden. Unbequeme Wahrheiten dürften dabei keinesfalls ausgespart bleiben. Doch genau hier liegt das Dilemma: ein Partner ist vielleicht zu zart besaitet oder zu temperamentvoll um damit konfrontiert werden zu können. Also bleibt als Vorsichtsmaßnahme lieber so Manches unerwähnt. Aber genau dieser Anteil, vor dem die Partnerschaft „verschont“ bleibt, wächst im Untergrund weiter und führt irgendwann zu einem Riss, der kaum noch zu kitten ist.

Der vergebliche Kitt

 

Je mehr dieser Riss spürbar wird, desto intensiver wird die Beziehung schön geredet oder mit äußeren Faktoren gekittet. Das können ein Kind, eine Immobilie, eine pompöse Hochzeit, eine schwer zu lösende berufliche Verbindung, ein Traumurlaub o.ä. sein. Erst wenn alles nicht fruchtet, findet einer von beiden den Weg zur Paartherapie. Der Partner, der sich schon längst innerlich entfernt hat, kommt nur widerwillig mit.

Die Intervention des Paartherapeuten

 

Als Paartherapeut muss man unbedingt dem Trennungswilligen Gehör verschaffen. Die jahrelang zurückgehaltenen unbequemen Wahrheiten sind für den Anderen schwer zu ertragen und er versucht auch jetzt noch auszuweichen. Oft muss ich deutlich werden und Demjenigen erklären, dass das jetzt die allerletzte Chance ist das Ruder vielleicht noch herumzureißen, indem er sich nun damit beschäftigt. Ohne fundierte therapeutische Begleitung werden nur vorübergehend die Symptome und nicht die Ursachen bearbeitet. Dies führt nach einer kurzen Entspannungsphase wieder zu einer ähnlichen Situation.