Ein eigenes Nest für die Familie ist der Traum so manches Paares. Dann wird alles besser: man kann die eigenen Wohnwünsche verwirklichen, hat mehr Platz, zahlt keine Miete mehr, muss sich nicht mehr mit den anderen Mietern im Haus herumärgern, kann auch mal laut sein und sich als Hausbesitzer fühlen. Sobald der Hausbau vollendet ist, landet so manches Paar bestenfalls in der Eheberatung, im schlechtesten Fall beim Rechtsanwalt. Was ist schief gelaufen?
Der Hausbau erfordert zwischen einem halben bis zu einem Jahr oder länger alle Energie, Zeit, Nerven und Kreativität. Für die Partnerschaft bleibt nichts mehr übrig. Ganz im Gegenteil, man ist permanent mit einem chronisch erschöpften, schlecht gelaunten Partner konfrontiert, der nur noch von unzuverlässigen Handwerkern, explodierenden Kosten und Baumängeln spricht. Selbst hat man auch nicht sehr viel mehr zu bieten. Die übliche Alltagsbelastung wie Berufstätigkeit, Kinder und Haushalt laufen noch zusätzlich nebenbei. Das Ende ist oft nicht abzusehen.
Eine stabile Beziehung verträgt eine derartige Belastung nur, wenn immer wieder Oasen in Form von Auszeiten für die Partnerschaft eingeplant werden. Ein Hausbau ohne Verschnaufpause lässt die innere Beziehung zueinander absterben. Ist eine Ehe schon vorher labil, verstärkt sich das noch während der Bauphase. Diese Beziehung bringt zu wenig Polster für die nervenaufzehrende Zeit mit. Die Folgen sind Entfremdung und nicht selten Seitensprünge. Die Defizite der Beziehung werden anderweitig ausgeglichen.