Hat die Ehe eine Zukunft?

  • Paarberatung, Eheberatung

Wunsch und Wirklichkeit

Angesichts der immer weiter steigenden Scheidungsrate sowie der jüngsten gesetzlichen Änderungen stellt sich diese Frage mehr denn je zuvor.

Entsprechend dem neuen Unterhaltsrecht sind jetzt uneheliche Kinder den ehelichen und ein nicht verheirateter Partner dem Ehepartner völlig gleichgestellt. Das heißt, ein neuer Partner, mit dem man nicht verheiratet ist und mit dem man Kinder hat, hat für den Unterhalt Vorrang vor der geschiedenen Ehefrau mit deren Kindern, wenn diese älter als drei Jahre alt sind. Die Ex-Frau bekommt dann keinen Ehegattenunterhalt mehr. Daher fällt der früher doch häufiger zählende Aspekt der Versorgungsehe weg.

Da schon seit längerem die Scheidungsrate weiter steigt, haben nun auch zunehmend mehr Kinder die Erfahrung, dass eine Ehe nicht für immer ist, und das wirkt unbewusst als Vorbild, d.h. auch sie werden später leichter eine Ehe beenden, wenn sie damit unzufrieden sind. Dies bedeutet nicht unbedingt, dass die Ehen heute schlechter sind, sondern zunächst einmal nur, dass die Eheleute im Zweifelsfall schneller bereit sind, sich scheiden zu lassen.

Warum sollte man sich also noch auf eine „ewig“ dauernde Ehe einlassen?

Trotz allem gibt es durchaus noch Unterschiede zwischen einer nichtehelichen Partnerschaft und einer Ehe. Mit der Eheschließung sind automatisch viele juristische Dinge eindeutig geregelt. Falls einem Partner etwas zustößt und er seinen Willen nicht mehr kundtun kann, hat der unverheiratete Partner im Unterschied zum Ehepartner keinerlei Rechte, wie z.B. diesen im Krankenhaus auch nur zu besuchen oder über seine medizinische Versorgung zu bestimmen. Auch das Erbrecht behandelt beide Partnerschaftsformen völlig unterschiedlich.

Zum Zeitpunkt der Eheschließung, häufig noch im Zustand der Verliebtheit besteht ja durchaus bei den allermeisten Paaren die Vorstellung, dass die Partnerschaft für immer sein soll und die romantische Zeremonie trägt das ihre dazu bei. Es führt zu einem verstärkten „Wir-Gefühl“ wenn man vor vielen Menschen gegenseitig „ja“ zur gemeinsamen Zukunft sagt.

Der entscheidende Faktor für das Gelingen einer Ehe ist das Bewusst Sein, wen man heiratet. Die Partner müssen sich vorher ausführlich geprüft haben um sicher zu gehen, dass sie nicht nach einiger Zeit mit unangenehmen Überraschungen rechnen müssen. Eine in zu jungem Alter geschlossene Ehe hat hier verständlicherweise schlechtere Karten. In den Zwanzigern weiß man noch nicht, wo der eigene Weg hinführt, ganz zu schweigen davon, welcher Partner auch später noch zu einem passen wird. Gemeinsam zu reifen ist eine romantische Vorstellung, die nur sehr flexiblen Menschen gelingt, die schon von ihrem Elternhaus sehr gut mit Beziehungsfähigkeit ausgestattet wurden.