„Das passiert uns nie, mein Partner und ich sind und bleiben uns immer treu, und wenn sich einmal einer von uns in jemanden anderen verliebt, sagen wir es uns sofort.“ Oder: „mein Lebensgefährte hat überhaupt keine Zeit für eine Affäre“, oder: „meine Frau hat viel zu wenig Interesse an Sex um mich zu betrügen“ Diese Sätze höre ich in meiner Praxis meistens dann, wenn beide Partner gemeinsam anwesend sind. Findet die Sitzung aber getrennt vom Partner statt, werde ich (bei vielen Paaren die schon länger zusammen sind) zuerst an meine Schweigepflicht erinnert, um dann die restliche Zeit von One-Night-Stands, Affären oder Parallelbeziehungen zu erfahren.
Das diesbezügliche schlechte Gewissen ist, je nach dem aktuellen Stand der Beziehung, unterschiedlich stark ausgeprägt,. Es gibt genügend Argumente um die Schuldgefühle zu besänftigen. Männer führen meistens an, dass der Sex in der Partnerschaft oder Ehe sowieso zu wenig oder qualitativ minderwertig sei. Die Frauen beklagen das mangelnde Interesse ihres Mannes an ihnen, oder seine häufige Abwesenheit. Falls der Partner Verdacht schöpft, wird bis zur vollständigen Aufdeckung dementiert. Jeder Fremdgänger ist nämlich davon überzeugt, von seinem Partner bei Aufdeckung sofort verlassen zu werden. Tatsächlich habe ich das in meiner über 20 jährigen Berufstätigkeit selten erlebt.
Die Betrogenen sind zunächst in ihren Grundfesten zu erschüttert, um die Kraft für eine Trennung aufzubringen. Sie kämpfen um ihren Partner, obwohl und vielleicht auch weil es ihnen den Boden entzogen hat. Eine Trennung würde die Aufgabe des vertrauten Umfeldes bedeuten und wird deshalb so lange wie möglich vermieden. Die erste Zeit nach der Aufdeckung eines Seitensprungs verläuft bei vielen Paaren ähnlich. Zuerst finden stundenlange, längst überfällige Gespräche statt, und daraufhin eine körperliche Annäherung. Diese intensive Zeit sollten Beide nutzen um grundlegende Defizite aufzuarbeiten und die Partnerschaft auf neue Füße zu stellen. Am dauerhaftesten gelingt das mit Hilfe einer Paartherapie. Dieser Veränderungs- und Aufarbeitungsprozess benötigt bis zu einem Jahr.