Im Zeitalter der fehlenden körperlichen Herausforderungen verlangen sich zunehmend mehr Sportler Höchstleistungen ab. Dabei gilt es auch Rekorde zu brechen. Nicht selten begeben sie sich damit, wie erst kürzlich beim Zugspitz-Lauf oder bei der Nanga Parbat Besteigung in Lebensgefahr.
Warum treiben Extremsportler nicht im gesunden Rahmen Sport, sondern verlieren das Gefühl für die Belastungsgrenze ihres Körpers? Weshalb verweisen sie ihren Partner auf einen nachrangigen Platz und riskieren damit langfristig die Trennung? Aus welchem Grund ordnen sie ihr Leben einseitigen Ernährungsplänen, täglichem stundenlangen Training, reduzierter Sexualität und kräftezehrenden Wettkämpfen unter?
Beim Säugling entsteht durch die Berührungen und sonstige Zuwendung von Seiten der Mutter ein Gefühl für sich und den eigenen Körper. Je mehr diese frühe Eltern-Kind-Beziehung auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt ist, desto positiver verläuft die gesamte Entwicklung. Es findet sich und seinen Körper gut. Es passt seine Experimente seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten an und wird von seinen Eltern dafür gelobt.
Eine weniger erfreulich verlaufende Kindheit führt immer zu Defiziten, die durch Ersatzverhalten ausgeglichen werden. Manche Kinder glauben, dass sie durch außergewöhnliche Leistungen doch noch die Liebe der Eltern erringen können. Sie treiben sich schon als Kind zu Höchstleistungen an. Reagieren die Eltern nicht entsprechend darauf, vermutet das Kind, dass es immer noch nicht genügt.
Ein Erwachsener gleicht mit Extremsport Defizite jeglicher Form aus. Von der folgenden Ausführung muss nicht jeder Punkt auf jeden Sportler zutreffen:
Durch die Ausschüttung von körpereigenen Endorphinen und Morphinen empfindet er Glücksgefühle die er im Alltag vermisst.
Im Sport kann er auf legitime Art und Weise offen mit anderen konkurrieren.
Die permanenten Grenzerfahrungen verschaffen den ersehnten Nervenkitzel.
Die sportlichen Erfolge gewähren ihm Anerkennung und Bewunderung.
Die partnerschaftliche Auseinandersetzung wird vermieden. Der Partner kommt bestenfalls an zweiter Stelle. Von ihm wird zumindest Toleranz, am besten Bewunderung erwartet. Die Paarbeziehung ordnet sich den sportlichen Interessen unter. Der Extremsport dient auch zur Kompensation von sexuellen Defiziten. Zudem ermöglicht er die legitime Abwehr von unangenehmen Erwartungen durch den Partner.
Der (Ehe-)Partner eines Extremsportlers sollte zum Einen keine hohen Ansprüche an die Paarbeziehung stellen, zum Anderen den vorhandenen Freiraum für die eigenen Interessen nutzen können.