Die Suche nach den eigenen Wurzeln

  • Lebensberatung, Erziehungsberatung

Welche Rolle spielen leibliche Eltern?

So Mancher glaubt seine Eltern(teile) zu kennen und wird irgendwann eines Besseren belehrt. Wieder Andere wissen, dass es da noch irgendwo Jemanden gibt, von dem sie abstammen, trauen sich aber nicht Kontakt aufzunehmen. Einige hätten gerne Kontakt, er wird ihnen aber verwehrt. Andere vermuten nicht das leibliche Kind des vermeintlichen Vaters zu sein, haben aber Angst es zu thematisieren. Alle gemeinsam tragen dieses ungute Gefühl in sich, vielleicht etwas zu verpassen, falls sie sich nicht mit den leiblichen Eltern befassen.

Jetzt mag man sich fragen, warum jemand so zaghaft ist, und die Adresse von Vater und/oder Mutter so lange mit sich trägt, bevor sie/er die Kontaktaufnahme wagt. Das kann verschiedene Gründe haben. Die leibliche Elternfigur wird in der eigenen Fantasie entweder idealisiert und die Enttäuschung könnte immens sein, oder sie ist auf Grund von negativen Erzählungen durch Bezugspersonen unangenehm belegt. Auch Letzteres verursacht Angst vor unliebsamen Überraschungen, mit denen man natürlich rechnen muss. In den meisten Fällen leiden Eltern, die ihre Kinder noch nie, oder schon lange nicht mehr gesehen haben, unter Schuldgefühlen, und möchten mit diesen ungern konfrontiert werden. Sie verweigern deshalb entweder den Kontakt oder sie versuchen Anderen die Schuld für ihr eigenes Versagen zuzuschieben. Beides ist für das Kind nicht angenehm. Glücklicherweise gibt es immer wieder auch gelungene Familienzusammenführungen, die eine wirkliche Bereicherung für alle Beteiligten darstellen.

Warum sollte man sich aber einer ungewissen Situation aussetzen, nur um sein leibliches Elternteil zu erleben? Das Wort „Wurzel“ bezeichnet es am treffendsten: die biologischen Eltern bilden die eigenen Wurzeln. Sich mit ihnen nicht auseinandergesetzt zu haben beraubt einen des inneren Haltes. Das bedeutet nicht, dass Stief- , Adoptiv- oder Pflegeeltern nur wenig zur Entwicklung eines Kindes beitragen. Sie leisten oft sogar die Hauptarbeit und sind wesentliche Bezugspersonen, aber trotzdem sollte jeder Mensch seine leiblichen Eltern zumindest kennenlernen. Der Kontakt muss dann, falls er sich als unpassend herausstellt, nicht weiter vertieft werden.