Laut einer Untersuchung des Rostocker Zentrums zur Erforschung des demografischen Wandels von 2008 beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung einer unverheirateten Frau 82,3 Jahre, verheiratete Frauen dagegen werden nur 77 Jahre alt. Die männliche Lebenserwartung beträgt egal ob verheiratet oder ledig 77 Jahre. Jetzt stellt sich die Frage wie dieses Ungleichgewicht zustande kommt.
Seit dem Bekannt werden dieser Untersuchungsergebnisse lege ich bei den Paaren in meiner Praxis mehr Augenmerk auf ihre Lebensgewohnheiten. Nach ihrem Beitrag zum Haushalt befragt antworten selbst junge Männer mit voll berufstätigen Frauen mit dem Satz: „so hin und wieder nehme ich den Staubsauger zur Hand.“ Manche weisen mich auch darauf hin, dass sie sowieso eine Putzfrau hätten. Meistens erwähnen beide Partner in diesem Zusammenhang, dass er dafür sämtliche Reparaturarbeiten übernimmt. Die Aufrechterhaltung des täglichen Haushalts übersteigt aber bei weitem sämtliche anfallenden Reparaturen. Viele Frauen betrachten den Haushalt auch immer noch als ihr Revier und verbannen den Mann aus „ihrer Küche“.
Ein weiteres Aufgabengebiet für das sich Frauen ausschließlich zuständig fühlen, oder das ihnen zugewiesen wird, ist die Beziehungsarbeit. Sie fragen ihn wie er sich fühlt, was ihn bedrückt und führen immer wieder Gespräche herbei, die Er nicht selten boykottiert. Je mehr sich der Mann zurückzieht, desto intensiver werden die weiblichen Bemühungen. Sie setzt viel ihrer Energie dafür ein ihn zum reden zu bringen und Gespräche in Gang zu halten.
Die Kinderbetreuung und Erziehung findet nach wie vor überwiegend durch die Mutter statt, selbst wenn sie voll berufstätig ist. Man braucht nur Elternabende in Kindergärten oder in Schulen besuchen, um sich davon zu überzeugen. Ein Vater, der sich um seine Kinder kümmert, gilt als vorbildlicher Vater, bei einer Mutter gilt es als selbstverständlich.
Aber warum bleibt die Lebenserwartung des Mannes gleich, egal ob verheiratet oder ledig? Dafür gibt es eigentlich nur zwei mögliche Gründe: erstens behalten einige Ehemänner ihren Lebensstil, den sie als Single pflegten, in der Ehe weitestgehend bei. Zweitens halten sich die Vor- und Nachteile, die sich für den Mann durch die Ehe ergeben, die Waage. Die gute Versorgung durch die Frau gleicht den Stress, den er mit ihr und den Kindern hat, aus.
Zusammenfassend betrachtet begeben sich Frauen mit der Heirat in eine Rolle, die ihren eigenen Bedürfnissen zu wenig gerecht wird und ihre Kräfte oft überschreitet. Sie ordnen sich dem Wohl des Mannes und der Kinder unter. Es sollte jedoch jeder sein Verhalten dahingehend überprüfen, welches Vorbild er für (seine) Kinder darstellt. Es geht nicht darum, was wir ihnen sagen, sondern was wir ihnen vorleben.
Bei diesen Betrachtungen ist aber zu betonen, dass es sich bei demografischen Untersuchungen nur um Durchschnittswerte handelt, und sie damit den wirklich engagierten Ehemännern und Vätern nicht gerecht werden.