Eben war sie noch ein niedliches, leicht lenkbares Mädchen mit guten Schulnoten und ebensolchem Verhalten und von einem Tag auf den anderen ist alles anders. Man kann nie sicher sein, was einen im nächsten Moment erwartet. Ihre Stimmungen schwanken teilweise viertelstündlich. Gerade war sie noch überzeugte Vegetarierin, im nächsten Augenblick hat sie Appetit auf Hühnchen, sie schimpfte ausführlich über eine Freundin um sich gleich danach mit ihr zu verabreden, sie schließt sich weinend im Bad ein, weil sie im Spiegel entdeckt hat wie unattraktiv sie ist und verlässt eine Stunde später gestylt das Haus um ein Fest zu besuchen. Sie beschimpft ihre Eltern, findet sie peinlich und beschränkt und erzählt ihnen kurz darauf, wie lieb sie sie hat.
Manche Eltern von pubertierenden Töchtern haben schon ein mulmiges Gefühl vor jedem Wochenende und fürchten die Schulferien. Nach einem auch nur teilweise gemeinsam verbrachten Tag streiten sich die Eltern darüber, ob sie nun strenger oder verständnisvoller mit ihr umgehen sollen. Das Mädchen hat es inzwischen perfektioniert die Eltern gegeneinander aufzubringen. Sie trifft sich anschließend mit Freunden, während ihre Eltern streitend zurückbleiben. An solchen Tagen wird ein langer Auslandsaufenthalt oder ein Internat für die Tochter in Erwägung gezogen.
Es gibt leider kein Patentrezept! Den Eltern, die ihre jugendlichen Töchter hier überhaupt nicht wiederfinden (und vielleicht auch noch stolz darauf sind), soll gesagt sein, dass dann irgendetwas nicht in Ordnung ist. Die Rebellion des Jugendlichen in der Pubertät dient der Abnabelung vom Elternhaus. Dafür muss er die Erziehungsberechtigten unpassend finden, um sich dadurch von ihnen distanzieren zu können. Dies setzt voraus, dass diese eindeutige Standpunkte beziehen. Zu verständnisvolle Eltern erschweren die Ablösung des Kindes. Genauso sieht es bei zu schwach oder als bedürftig empfundenen Müttern und Vätern aus. Der Jugendliche hat dann den Eindruck sie schonen zu müssen und reibt sich deshalb nicht mit ihnen.
Dieser Artikel handelt hauptsächlich von Mädchen, da diese aufgrund ihres viel häufiger wechselnden Hormonspiegels mehr Gefühlsschwankungen ausgesetzt sind als Jungen. Bei männlichen Jugendlichen handelt es sich nur um ein Hormon, während bei Mädchen an einem Zyklus viele verschiedene Hormone beteiligt sind.