Am Anfang einer Liebe stellt man sich alles so schön vor. Der neue Partner und die Kinder, das wird bestimmt ein tolles Familienleben. Beide glauben: wenn das neue Paar sich liebt, dann klappt es auch mit den Kindern. Im günstigsten Fall beziehen sie ihre Kinder erst mit ein, wenn sie sich schon besser kennen. Kinder haben nämlich die Gabe Schwachstellen in der Beziehung aufzuspüren.
Für Kinder ist die neue Partnerschaft eines Elternteils zunächst keineswegs eine Bereicherung. Sie waren es gewohnt den Platz an der Seite von Mutter oder Vater alleine einzunehmen. Die neue Liebe des Elternteils besetzt plötzlich einen Teil dieses Raumes. Das wirkt bedrohlich und es entstehen Existenzängste: wird es vielleicht bald abgeschoben und muss ins Heim oder ins Internat? Trotz seiner Verwirrung soll das Kind dieser Person auch noch Sympathie oder gar Liebe entgegen bringen! Das ist zu viel verlangt. Auch der getrennt lebende Elternteil äußert sich dem Kind gegenüber kritisch zu seinem Nachfolger. Dadurch gerät das Kind noch zusätzlich in Loyalitätskonflikte.
Der hinzugekommene Partner versucht seiner neuen Liebe wegen den Kontakt mit dem Kind (oder den Kindern) aufzubauen. Dabei wird er von seinem Partner gründlich beobachtet. Er fürchtet die Beziehung zu gefährden, falls er mit dem Kind nicht zurechtkommt. Sowohl das Kind, als auch der (oder die) Neue fühlen sich unterDruck. Sogar der Elternteil ist verunsichert. Er muss nämlich die Beziehung zu seinem Kind total verändern.
Diese Rollenumstellungen brauchen Zeit und Geduld. Weder von den Kindern noch vom neuen Partner darf verlangt werden, dass sie sich lieben. Es ist schon viel wenn sie sich respektieren. Man neigt dazu den Schwächen eines leiblichen Kindes oder der biologischen Eltern viel toleranter zu begegnen als denen der Stiefkinder oder Stiefeltern. Je weniger Erwartungen auf Kindern und Stiefeltern lasten, desto unbeschwerter kann sich deren Beziehung zueinander entwickeln. Dazu muss man bereit sein auch Durststrecken miteinander durchzustehen. Eine Dauerharmonie besteht auch in einer regulären Familie nicht!