Die Idealisierung des Partners

  • Paarberatung, Eheberatung

verhindert eine lebendige Beziehung

Sie ist so stolz auf Ihren Mann. In ihren Augen ist er etwas ganz Besonderes und hat schon so viel erreicht. Sie erwähnt das auch in jeder möglichen Situation. Ihr Umfeld ist schon genervt von ihren permanenten Lobeshymnen auf ihn. Sie idealisiert ihn so offensichtlich, ohne sich dessen bewusst zu sein. Neben ihm fühlt sie sich einerseits aufgewertet, weil er ihr Partner ist, andererseits minderwertig, da sie ihm (ihrer Einschätzung nach) nicht das Wasser reichen kann. In diesem Spannungsfeld lebt es sich nicht dauerhaft komfortabel.

Gerade Menschen mit mangelndem Selbstwertgefühl, meistens Frauen, definieren sich eher über einen (scheinbar) starken Partner. Sie schlagen damit mehrere Fliegen mit einer Klappe: sie werten sich dadurch auf ohne an sich arbeiten zu müssen, verschaffen dem Partner Bestätigung, die er vielleicht dringend braucht, und kreieren eine Beziehungsstruktur, die nicht so leicht in Frage gestellt werden kann. Dieses Modell ermöglicht beiden Partnern den Vorteil einer (scheinbaren) Stabilität, verhindert aber Beweglichkeit und Weiterentwicklung des Einzelnen und der Partnerschaft. Die von manchen Menschen als bedrohlich empfundene wirkliche Nähe wird so auch vermieden, da kein Kontakt auf Augenhöhe stattfindet.

Häufig gerät dieses Modell ins Wanken, wenn sich äußere Faktoren verändern. Dies ist z.B. der Fall, wenn der Mann arbeitslos wird, in den Ruhestand geht, die Frau beruflich ein- oder aufsteigt, eine dritte Person in die Partnerschaft eintritt oder Einer von Beiden ernstzunehmend erkrankt. Jetzt muss die eigene Entwicklung der Frau nachgeholt werden. Dieses sich auf sich selbst besinnen ist bei ihr zunächst mit starken Ängsten und Schuldgefühlen behaftet und sie fühlt sich regelrecht egoistisch. Vergleichbar ist ihr Gefühl mit dem eines Kindes, das in die Pubertät eintritt und sich deshalb von den Eltern abnabelt.

Auch der Mann hat damit zu kämpfen. Er wird jetzt erstmals von seiner Frau kritisiert und fühlt sich vom Sockel gestoßen. Statt Bewunderung erlebt er jetzt Streit und sein gemütliches Zuhause gleicht manchmal einer Arena. Anfangs versucht er mit allen Mitteln die alte Ordnung wieder herzustellen, doch nach und nach entdeckt er auch die Vorteile der neuen Situation. Die Verantwortung lastet nicht mehr nur alleine auf seinen Schultern und er sieht sich plötzlich einer ernster zu nehmenden Partnerin gegenüber. Dies gelingt aber nur, wenn Beide genügend innere Flexibilität mitbringen. Ist das nicht der Fall, dann scheitert die Ehe und ein neuer Partner übernimmt die alte Rolle.