Geschwister haben die selben Eltern, das gleiche Umfeld und sind trotzdem oft sehr unterschiedlich. Man kann dafür die verschiedenen Erbanlagen verantwortlich machen, doch auch die sind es nicht alleine. Zusätzlich spielen die Reihenfolge und die Altersabstände zwischen den Geschwistern eine wesentliche Rolle für die Entwicklung der Kinder.
Das älteste Kind übernimmt eine völlig andere Rolle als das Zweit- oder Letztgeborene. Es wird spätestens ab der Geburt des nächsten Geschwisters zum „Großen“ erklärt, egal wie jung es ist. Das Jüngste bleibt auch noch als Erwachsener der oder die „Kleine“. Die Verantwortung liegt meistens beim Ältesten, während das Jüngste oft Narrenfreiheit genießt.
Die Bedeutung der Altersabstände zwischen den Geschwistern wird oft unterschätzt. Stattdessen nimmt man an, den Kindern etwas Gutes zu tun, wenn sie schnell aufeinander folgen. Sie können dann angeblich mehr miteinander anfangen. Ein Kind benötigt aber ca. drei Jahre bis seine Ich-Struktur einigermaßen entwickelt ist. Dafür braucht es in diesen ersten drei Jahren ein sicheres warmes Nest und die Zuwendung von mindestens einer stabilen Bezugsperson.
Eine Frau zieht sich spätestens ab dem fünften Schwangerschaftsmonat zum Teil von ihrer Umwelt zurück und wendet sich gefühlsmäßig dem werdenden Leben zu. Ein sehr kleines Kind fühlt sich dadurch von seiner Mutter verlassen. Es konnte auf grund der fehlenden Zeit noch kein ausreichendes Urvertrauen entwickeln. Nach der Geburt des Geschwisterchens wird es erst recht nicht besser. Das zu frühe Abwenden der Mutter verstärkt die normale Eifersucht auf den Neuankömmling ganz erheblich. Die Mutter selbst bleibt aber von den negativen Gefühlen verschont. Das Kind braucht sie dringend und lenkt deshalb unbewusst seine Wut auf Andere oder auch auf das kleine Geschwister.
Für das dazukommende Kind sieht alles ganz anders aus. Es ist von Anfang an daran gewöhnt mit älteren Kindern zu leben. Erst auf nachkommende Geschwister reagiert es mit Eifersucht oder anderen Symptomen.
Auch auf die Ehe oder Partnerschaft wirkt sich die Geschwisterfolge aus. Sind beide Partner die Ältesten, so konkurrieren sie um die Führungsrolle. Zwei Nesthäkchen möchten beide geführt werden. Positiv für eine Beziehung ist die Kombination aus unterschiedlichen Positionen in der Geschwisterreihenfolge.