Die fehlende Tiefe in der (Paar-)Therapie

30.01.2017

Die Angst oder das Unvermögen in die Tiefe zu gehen

Der Satz: „Wir haben schon eine Paartherapie gemacht und sie hat uns nichts gebracht,“ lässt mich jedes Mal aufhorchen. Was kann das bedeuten? Hatte das Paar vielleicht nur ein Erstgespräch? In der ersten Therapiestunde verschafft sich der Therapeut zunächst einen Eindruck von der Paarsituation. Er hält sich mit therapeutischen Äußerungen noch weitgehend zurück, da er keine vorschnellen Schlüsse ziehen sollte. Es kommt immer wieder vor, dass Paare dieses Erstgespräch schon für die eigentliche Therapie halten und vom noch fehlenden Ergebnis enttäuscht sind.

Die eigene Verhinderung

Einige Klienten benutzen die Therapiestunden auch nur zur Bestätigung dafür, dass ihre Beziehung sowieso schon gescheitert ist. Sie interpretieren dann jede Äußerung des Therapeuten in diese Richtung, was die therapeutische Arbeit letztlich verhindert. Hier ist therapeutisches Fingerspitzengefühl gefragt, um eine Umkehr zu ermöglichen.

Vielleicht wählten die Klienten aber auch einen Therapeuten für ihre Behandlung aus, der für diese Aufgabe nicht ausreichend qualifiziert ist. Es bieten viele Berufsgruppen im Internet ihre Dienste als Paartherapeut an, die dafür entweder gar nicht, oder nur peripher ausgebildet sind. Diese Berufsbezeichnung ist nicht geschützt.

Die Vorsichtsmaßnahme des Therapeuten

Gelegentlich finden auch Menschen mit schweren psychischen Störungen den Weg zum Paartherapeuten. In diesem Fall ist es gefährlich in die Tiefe zu gehen. Es könnte zu einer Retraumatisierung führen, oder zum psychischen Absturz. Deshalb muss jeder Hilfesuchende zuerst daraufhin abgeklopft und ggf. psychiatrisch betreut werden und darf, falls das schon der Fall ist, nicht mit tiefergehenden Deutungen konfrontiert werden.

Rezepte als Entwicklungsbremse

Auch die Vorstellung vom Paartherapeuten Rezepte geliefert zu bekommen verhindert die Entwicklung des Einzelnen und die des Paares. Gibt der Therapeut Ratschläge, dann überträgt er sein Weltbild auf das Paar, ohne ihnen die Möglichkeit zu geben, sich gemeinsam etwas zu kreieren. Stattdessen sollte die Situation des Paares hinterfragt und sie dabei unterstützt werden neue Wege zu beschreiten.