Fast jede Partnerschaft gerät irgendwann in eine Sackgasse. Bei guten Grundvoraussetzungen erträgt sie das für eine gewisse Zeit. Wird die Krise allerdings zum Dauerzustand, so besteht die erhöhte Gefahr, dass sich ein Partner anderweitig verliebt. Zunächst ist Demjenigen das gar nicht so recht bewusst, er (oder sie) versteht sich einfach nur gut mit Jemandem. Es wächst eine Vertrautheit und daraus entsteht schließlich Liebe. Ab diesem Zeitpunkt ist diese andere Person dann nicht mehr so einfach aus dem eigenen Leben wegzudenken.
Der Ehe- oder Lebenspartner merkt davon zunächst nichts. Der Abstand zwischen einander verhindert die Aufdeckung. Die neue Liebe wiederum vergrößert die Distanz zwischen dem eigentlichen Paar noch weiter. Der außenstehende Dritte leidet kaum unter Schuldgefühlen, da ihm meistens von einer zerrütteten oder schon fast beendeten Ehe (oder Lebensgemeinschaft) berichtet wird. Stattdessen fühlt er sich eher als Tröster oder gar Retter. Der betrogene Partner wundert sich über die plötzliche Zufriedenheit seines Lebensgefährten und hofft schon auf ein Ende der Durststrecke.
Irgendwann passiert, wie auch immer, der große Knall und alles fliegt auf. Für den bis dahin unwissenden Partner bricht eine Welt zusammen. Der Andere ist total überrascht, dachte er doch, er wäre seinem Lebensgefährten weitgehend egal. Man hatte doch kaum noch etwas gemeinsam. Es folgen bei dem Ehepaar herzzerreißende Szenen, nächtelange Aussprachen und viele Zusammenbrüche. Der außenstehende Dritte sieht seine Felle davon schwimmen und übt auch noch Druck auf seine neue Liebe aus. Das Chaos ist perfekt.
Der zwischen den Stühlen Sitzende soll sich schnell entscheiden. Das erwarten alle Beteiligten und auch er selbst von sich. Bis zur Aufdeckung sah für ihn noch alles so scheinbar einfach aus: eine zerrüttete Partnerschaft und eine neue Liebe. Wären da nicht die Kinder, das Haus oder die gemeinsame Firma, so gäbe es keine Frage. Doch plötzlich beginnt der Lebenspartner um die Beziehung zu kämpfen und erscheint dadurch in einem völlig anderen Licht. Der neue Partner hingegen wird auf einmal fordernd und manchmal sogar unangenehm. Die bisher so klar verteilten Rollen geraten durcheinander.
Die Entscheidung fällt täglich bis wöchentlich anders aus, je nachdem in welcher Gesellschaft oder Stimmungslage der „Untreue“ sich gerade befindet. Vor allem hat er am Anfang noch die Illusion, dass es ihm schon bald eindeutig klar sein wird, wo er hingehört. Er hofft sogar auf eine einvernehmliche, schmerzarme Trennung mit anschließender Freundschaft. Irgendwann werden seine Entscheidungen von niemandem mehr ernst genommen. Sie sind schließlich nur von kurzer Dauer. In dieser Extremsituation sucht das Paar dann meistens einen Therapeuten auf, der dann schnelle Hilfe leisten soll.
Der Eheberater muss dann mit den Hilfesuchenden gemeinsam herausfinden, wie es zu dieser Situation kommen konnte, welche Eigenbeteiligung jeder von Beiden mitbrachte und ob das Potential für einen Neuanfang in der Partnerschaft vorhanden ist. Falls letzteres nicht der Fall sein sollte, geht die Paartherapie in eine Trennungsberatung über um einen Rosenkrieg zu verhindern.