Die Beziehung als alleiniger Lebensinhalt

  • Paarberatung, Eheberatung, Lebensberatung

ist auf Dauer zu wenig

Die meisten Menschen beschäftigen sich erstmals während einer Lebenskrise mit dem Sinn ihres Lebens. Solange alles glatt läuft, sehen sie keine Notwendigkeit, sich mit einem so komplexen und weitreichenden Thema auseinanderzusetzen. Das Ergebnis solcher eigenen Überlegungen ist auch nicht immer zufriedenstellend. Es stellt sich ja überhaupt die Frage, was als Lebensinhalt zählt. Jeder Befragte wird hierzu eine andere Antwort geben. Häufige Antworten sind: eigene Kinder, die Partnerschaft, der Beruf oder Immobilien.

Nun ist es so, dass gerade Menschen mit geringem Selbstwertgefühl beim Wegfall ihrer Lebensaufgabe sehr schnell an ihre Grenzen geraten. Eine Frau, die z.B. ausschließlich ihre Familie als ihren Lebensinhalt betrachtet, kann bei deren Auseinanderbrechen genauso tief fallen, wie ein Mann, der sich nur über seinen beruflichen Erfolg definiert, wenn er seine Arbeit verliert.

Es kommt immer wieder vor, dass Menschen gerade während Beziehungskrisen in meiner Praxis Suizidgedanken äußern. Sie fühlen sich durch den drohenden Verlust ihres Partners oder der Familie ihres Lebenssinns beraubt. Sie empfinden sich dann als ähnlich hilflos wie ein Kind, das seine Eltern verliert. Zwar durchläuft auch ein psychisch stabiler Mensch bei einer Trennung Trauerphasen, die sehr schmerzhaft sein können. Trotzdem sind sie nicht mit einem Sturz ins Bodenlose vergleichbar, wie bei Jemandem, der sich nur über seinen Partner oder die Familie stabilisiert.

Die These, dass man die Kraft aus sich selbst schöpfen muss, klingt fast provokativ. So, als ob man mit seinem Umfeld keine nahe Verbindung eingehen darf. Doch genau darum geht es: dass man den Kontakt haben kann, ihn aber nicht haben muss, um überleben zu können. Keiner möchte für seine Eltern oder seinen Partner nur deswegen da sein müssen, weil Derjenige sonst zugrunde geht.