Die Angst vor der Paartherapie

17.08.2008

und ihre Ursachen

Nachdem die Ehe- oder Paar-Situation unerträglich geworden ist, sucht man in Internet nach Hilfe, findet die eine oder andere Website zum Thema Eheberatung oder Paartherapie, ist irgendwie schon erleichtert, dass es da etwas gibt und lässt die Sache einige Zeit liegen.

Erst bei erneuter Eskalation der Situation holt man die Web-Adresse wieder hervor, schaut sie sich noch mal an und ruft dann doch dort an.

Die Schnellentschlossenen sind dagegen sehr selten.

Nun ist man dann meist schon in sehr gestresster Lage, also geschwächt, daher können Ängste - wenn auch unbewusste - so groß werden und bewirken, dass man sonst selbstverständlich als unvernünftig erkannte Dinge tut. Man hat ein großes Problem, weiß wo Hilfe ist, aber doch wird etwa jeder vierte bis fünfte der vereinbarten Erst-Termine wieder abgesagt oder es erscheint einfach niemand zum Termin.

Wie kommt das, welche Ängste können das sein:

Die Angst

- vielleicht zugeben zu müssen, dass man manches oder gar vieles falsch gemacht hat,

- über Dinge zu reden, über die man sonst weder mit der Partnerin noch mit dem besten Freund reden würde

- dass man Unangenehmes zu hören bekommt oder dass man so Manches hört, das man gar nicht so genau wissen will

- davor, dass bisher mehr oder minder mühsam geheimgehaltene Tatsachen herauskommen

- sich einzugestehen, dass man eigentlich etwas ganz anderes möchte

- davor, dass man liebgewordene Gewohnheiten ändern muss

- davor zusätzlichen Aufwand für die Partnerschaft spendieren zu müssen

Man hat also Angst genau davor, was unbedingt passieren muss, damit sich die Lage zum Besseren wendet, und was eigentlich auch schon lange hätten passieren müssen, damit die Lage gar nicht erst so schlimm geworden wäre.

Dann kommt noch die Angst vor dem Therapeuten oder der Therapeutin hinzu, den man nicht kennt, dessen Wissen und Fähigkeiten man nicht einzuschätzen weiß, dem man sich aber doch in der Eheberatung irgendwie ausliefert.

Nicht zuletzt noch die Angst vor dem Ergebnis der Paartherapie, dass vielleicht etwas anderes herauskommt, als man sich vorgestellt, angestrebt oder gewünscht hat, und dass man es dann nicht mehr zurückdrehen kann.

Alle diese Ängste sind jedoch völlig normal und keineswegs schädlich. Der Schlüssel zum Weiterkommen liegt in der Überwindung und im Vertrauen.

Jemand, der keine dieser Ängste oder zumindest Unsicherheiten mitbringt, der schon alles weiß, dem völlig klar ist, was herauskommen soll, der meist auch meint, nur der Partner müsse in der Paartherapie sozusagen „repariert“ werden, damit dann alles klappt, der wird es schwerer haben, denn er ist nicht offen, so wie das Ende oder Ziel einer Paarberatung offen sein muss.