Der männliche Orgasmus

  • Sexualberatung, Eheberatung, Paarberatung

kann störanfällig sein

Der Orgasmus ist der Höhepunkt des sexuellen Lusterlebens, der bei Geschlechtsverkehr oder Masturbation eintreten kann, sich in den beiden Fällen aber deutlich anders anfühlt. Es kommt dabei im Genitalbereich zu rhythmischen Muskelkontraktionen, wobei sich die sexuelle Spannung entlädt. Das individuelle Erleben kann jedoch sehr unterschiedlich sein, ist aber meist ein überwältigendes, rauschhaft explosives Erlebnis.

Der männliche Orgasmus ist deutlich verschieden vom weiblichen Orgasmus. Die Frau benötigt im Durchschnitt eine längere Vorlaufzeit und ihr Orgasmus dauert länger, manche Frauen erleben sogar multiple Orgasmen. Beim Mann ist die Vorlaufzeit kürzer, dafür hat er eine längere Refraktärphase (Zeit zwischen zwei möglichen Orgasmen). Im Übrigen ist der Orgasmus nicht zwingend an eine Ejakulation gebunden und ist auch durch (rektale) Stimulierung der Prostata erreichbar. Die Form des Orgasmus ohne Ejakulation wird im Tao propagiert. Er kann dadurch verlängert werden und ist öfter wiederholbar.

Die laut Statistik häufigste Orgasmusstörung beim Mann ist der vorzeitige Samenerguss. Die Häufigkeit dieser Störung ist interessanterweise quer durch alle Altersgruppen etwa gleich, obwohl jüngere Männer schneller zum Orgasmus kommen als ältere. Nicht nur die Frau, sondern auch der Mann bleibt dadurch unbefriedigt, denn der Orgasmus ist das Ende des Verlangens.

Ursächlich dafür können verschiedene psychische Faktoren sein:

  • falls der Mann beim Akt mehr auf die Frau achtet, als auf sich
  • bei übertriebener Idealisierung der Frau
  • die Kindheit in einer Umgebung mit Unterdrückung der sexuellen Entwicklung
  • Ängstlichkeit, z.B. Versagensangst bei neuer Sexualpartnerin
  • Verweigerungshaltung gegenüber der Mutter oder Frauen insgesamt
  • Dominante Sexualpartnerin
  • negative Konditionierung (durch schnellen Sex in ungünstigen Umgebungsbedingungen oder mit Prostituierten)

Der vorzeitige Samenerguss kann das sexuelle Zusammenleben im Rahmen der Partnerschaft erheblich stören. Verlustängste des Mannes, das Gefühl den eigenen Orgasmus nicht richtig zu erleben oder die Partnerin nicht richtig befriedigen zu können, führen zu einer erheblichen psychischen Belastung. Aus Angst vor dem erneuten Versagen wird das Vorspiel häufig verkürzt, Orgasmusstörungen der Partnerin oder Schmerzen mangels ausreichender Stimulation sind die Folge. Partnerschaftsprobleme bis hin zum Einstellen jeglicher gemeinsamen sexuellen Aktivität können daraus resultieren.

Eine weitere Orgasmusstörung ist die verzögerte Ejakulation, d.h. wenn das Erreichen des Orgasmuspunktes und das Auslösen der Ejakulation für den Mann mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden ist und erst nach einer sehr langen Stimulation erfolgt. Die für die Betroffenen oft sehr belastende Störung kann zu einem sehr langen und für beide Partner anstrengenden Sexualakt führen.

Außer durch manche Psychopharmaka ist diese Störung fast immer durch psychische Faktoren verursacht: Gerade das sich unter Druck setzen, " ich muss meinen Orgasmus bekommen", führt zu einer inneren Anspannung und Erwartungshaltung, die gerade das Gegenteil bewirkt. Sex kommt aus dem Bauch heraus, sobald der Verstand versucht die Sexualfunktionen zu dominieren, gibt es häufig Probleme: Aufgeben der Orgasmus-Fixiertheit. Was man nicht mehr verbissen will, bekommt man leichter.

Anorgasmie ist das Ausbleibens des Orgasmus bei vaginalem oder oralem Koitus, obwohl dies bei Masturbation möglich ist. Diese psychogene Ejakulationsstörung ist häufig in einer psychischen "Sperre" begründet, die den Mann daran hindert, "sich gehen zu lassen". Angst vor einer Schwangerschaft der Frau, Bestrafung bei Masturbation im Kindes- oder Jugendalter oder negative Erlebnisse können ursächlich sein, welche die Vagina oder Mund als etwas Unsauberes oder bedrohlich Verschlingendes empfinden lassen.

Daneben gewinnt in Zeiten zunehmender sexueller Freiheit auch an Bedeutung, dass Männer mit sehr häufigen und z.T. langjährigen Masturbationsverhalten sich auf harte direkte Stimulation konditionieren und so die Orgasmusreizschwelle über eine rein vaginale oder orale Stimulation nicht mehr erreichen können.

Alle hier beschriebenen Orgasmusstörungen sind am besten durch Paartherapie zu behandeln. Wichtig ist hierbei das gegenseitige Verständnis für die psychische Grundproblematik zu wecken. Änderungen des Masturbationsverhaltens, Veränderungen des Vorspiels und der Sexualtechniken können hier helfen.