Eben war alles noch ganz friedlich und plötzlich bricht scheinbar aus dem Nichts ein scheußlicher Streit aus. Jeder schiebt dem Anderen die Schuld dafür in die Schuhe und kann keinerlei Eigenbeteiligung entdecken. Im Eifer des Gefechts hat man größtenteils unbewusst die eigenen Waffen gegen den Partner gerichtet. Dieser reagiert mit seinen Mitteln und auf diese Art und Weise geht es dann so lange hin und her bis Beide total erschöpft und verletzt das Schlachtfeld verlassen. Es wird eine Weile dauern bis die Wunden wieder geheilt sind, aber keiner hat etwas daraus gelernt.
Oft wird der weitere Kontakt zueinander aus Angst vor erneuten Verletzungen vermieden. „Klärende Gespräche“ sind dann meistens nur Schuldzuweisungen und führen zu einer weiteren Verhärtung. Eine spürbare Entlastung bringt erst die Suche nach den eigenen Waffen, die man gegen den Anderen einsetzt. Diese Erkenntnis ist zunächst richtiggehend schmerzhaft. Wer wird sich schon gerne dessen bewusst, dass er den Anderen zielgerichtet verletzt? Mit der Auswahl der Waffen sind viele Paare nicht gerade zimperlich. Die häufigsten sind:
Das Geld: Einer von Beiden sitzt finanziell am längeren Hebel und setzt das mehr oder weniger als Machtmittel ein.
Andere Partner: die eigene Attraktivität wird dazu benutzt um Verehrer(innen) im Hintergrund warmzuhalten.
Die Kinder: werden als Verstärkung gegen den Partner eingesetzt.
Die Sexualität: Liebesentzug soll den Gefährten gefügig machen.
Verbale Überlegenheit: die besseren Argumente machen den Anderen mundtot.
Diese Liste könnte noch beliebig fortgesetzt werden. Interessanterweise benötigen die meisten Menschen länger dafür ihre eigenen Waffen zu erkennen als die des Partners. Man kann deshalb davon ausgehen, dass die Wenigsten ihr Gegenüber gezielt verletzen. Es ist eher ein Zeichen von Hilflosigkeit. Ab dem Bewusstwerden ist der Einsatz der Waffen gegen den Partner kaum noch möglich.