Gerade im Fall von Susanne Klatten fragt man sich wie eine intelligente, weltgewandte und zugleich zurückhaltende Frau auf einen Betrüger wie Helg Sgarbi hereinfallen konnte. Laut den Zuschauerinnen beim Gerichtsprozess gegen ihn wirkt er nicht einmal besonders männlich. Nachdem Frau Klatten nicht das einzige Opfer war, stellt sich die Frage was diesen Mann so erfolgreich werden ließ.
Herr Sgarbi war hartnäckig, obwohl Frau Klatten ihn anfangs immer wieder abwies. Er reiste ihr sogar während ihres Familienurlaubs nach. Seine Liebeserklärungen kamen sehr gut an (auch bei anderen Frauen) und er schien sich wirklich für sie zu interessieren. Er nahm sich Zeit nur für sie. Selbst die Gespräche mit ihm wirkten sehr anregend zumal er intelligent und wortgewandt ist. Auch sexuell gab er ihr vermutlich alles. Ohne diesen Rundumeinsatz hätte er Frau Klatten wohl nie erreicht. Sein Job war vermögende Frauen zu verführen und er steckte alle Energie in sein jeweiliges „Projekt“.
Die wenigsten Männer legen sich selbst in der Werbungsphase für eine Frau so richtig ins Zeug. Ganz zu schweigen davon, wie es nach ein paar Jahren Partnerschaft oder Ehe aussieht. Natürlich kann niemand diesen Aufwand der ersten Verliebtheit in der späteren Beziehung durchhalten. Aber zwischen alles für den anderen geben und nur noch nebeneinander herleben existieren noch viele Abstufungen. Gerade während den Paartherapien und Eheberatungen fällt mir immer wieder auf wie ausgehungert die einzelnen Partner nach Zuwendung sind. Je größer die Defizite in einer Beziehung, desto anfälliger wird der Einzelne für die Versuchungen von Außen.