Es kursieren Durchschnittswerte über die Häufigkeit von sexuellen Kontakten in der Ehe. Das Liebesleben der meisten Paare reicht aber nicht im entferntesten an diese Zahlen heran. Dadurch entsteht bei ihnen ein Minderwertigkeitsgefühl. Gerade Männer machen ihre Frauen für die niedrige Sexfrequenz verantwortlich. Das wiederum führt zu Schuldgefühlen bei der weiblichen Bevölkerung. Damit ist das Thema Sex bei vielen Paaren negativ besetzt.
Nach zwei Jahren Zusammenleben lässt die sexuelle Anziehung bei Paaren etwas nach. Ab der Geburt des ersten Kindes verliert die gemeinsame Erotik noch zusätzlich an Intensität. Ein Großteil der Gefühle gehen auf das Kind über. Es könnte sich eine harmonische Zeit zu Dritt entwickeln, wäre da nicht dieses bohrende Gefühl etwas Wesentliches zu verpassen.
Das Thema Sex ist in unserer Gesellschaft allgegenwärtig und gerade Männer neigen dazu ihre Frauen deshalb mit sexuellen Forderungen unter Druck zu setzen. Sie glauben nur bei ihnen gäbe es streckenweise so wenig Sex. Manchmal fällt während der Sexualtherapie sogar der Satz: „wozu bin ich eigentlich verheiratet?“ Die Ehe als Garant für regelmäßigen Sex? Der andere Partner, meistens die Frau, zieht sich aufgrund dieses Leistungsdrucks nur noch mehr zurück.
Dieser Teufelkreis kann während der Sexualberatung nur mit einem zeitlich begrenzten Sexverbot durchbrochen werden. Dadurch wird der Druck vom Thema Sex genommen, während gleichzeitig die gesamte Partnerschaft unter die Lupe genommen wird. Meistens steckt hinter der Vorstellung, ein Recht auf Sex mit dem Partner zu haben, etwas völlig Anderes. Sex wird von manchen Männern unbewusst mit Versorgung gleichgesetzt. Das kann man sich so ähnlich vorstellen wie ein Kind, das selbstverständlich erwarten kann von seiner Mutter versorgt zu werden. Sobald eine Frau spürt, dass es sich hier um etwas Kindliches bei ihrem Partner handelt, verliert sie jegliche Lust auf ihn. Diese Frauen empfinden ihre Männer dann als ein weiteres Kind, das etwas von ihnen will.