Ein Kind im Ehebett ist die beste Empfängnisverhütung! Diesen Satz wende ich bei vielen übernächtigten Paaren in der Eheberatung an. Ihr Liebesleben existiert entweder reduziert oder gar nicht mehr. Sie fühlen sich nur noch als Eltern und nicht mehr als Paar. Aufgrund ihres Schlafdefizits reagieren sie gereizt auf ihr Umfeld.
Ein Baby braucht am Anfang besonders viel körperliche Nähe der Mutter und des Vaters. Solange der Säugling gestillt wird empfinden es viele Frauen angenehmer nachts nicht extra aufstehen zu müssen und ihn gleich im oder neben dem Ehebett zu behalten. Je länger dieser Zustand anhält, desto schwieriger wird seine Veränderung. Das Kind erlebt es als Rausschmiss und die Eltern müssen sich wieder miteinander beschäftigen. Sie spüren dann die Defizite in ihrer Paarbeziehung, die sie bisher durch die Anwesenheit ihres Kindes überdeckten.
Viele Kinder erscheinen nachts im Ehebett, sofern sie nicht gleich dort schlafen. Dahinter steckt oft der unbewusste Auftrag ihrer Eltern sie nicht miteinander alleine zu lassen. Die Kleinen drücken das, nachdem es unbewusst abläuft natürlich nicht so aus. Das am häufigsten vorgebrachte kindliche Argument ist die nächtliche Angst. Dahinter kann außerdem die unbewusste Sorge vor einer Trennung der Eltern stecken. Die nächtlichen Besuche sollen die Eltern zusammenhalten.
Das Aushalten einer zeitweiligen Trennung von den Bezugspersonen spielt für die kindliche Entwicklung eine ebenso wichtige Rolle, wie die Erkenntnis gelegentlich aus der Elternbeziehung ausgeschlossen zu sein. Die Intimität und Sexualität zwischen den Eltern muss ohne die Kinder stattfinden. Die Anwesenheit eines Kindes während des sexuellen Aktes kann ihm bleibende psychische Schäden zufügen.
Aus tiefenpsychologischer Sicht ist das Kind die exakte Abbildung der elterlichen Beziehung. Das bedeutet, dass man bei häufigen nächtlichen Besuchen des Kindes auch von Paarproblemen der Eltern ausgehen muss. In besonders hartnäckigen Fällen hilft hier statt einer Kindertherapie eher eine Paartherapie.