Die Gefühlslage der Partner kurz vor dem ersten Beratungsgespräch ist angespannt und ambivalent. Einerseits ist man erleichtert die Probleme endlich anzugehen, andererseits überlegt man sich, ob es überhaupt noch einen Sinn macht, oder die Schwierigkeiten von dritter Seite vielleicht gar nicht verstanden werden. Bei so Manchem entsteht sogar plötzlich der Eindruck sie haben eigentlich auf einmal kein ernsthaftes Problem mehr. Vor lauter Nervosität findet man die Adresse auch nicht gleich, oder kommt viel zu früh oder sehr spät dort an. Zur Beruhigung nimmt man sich vor den Eheberater oder die Paartherapeutin ganz genau unter die Lupe zu nehmen und bei einer eventuellen Antipathie oder Inkompetenz gleich wieder zu gehen.
Doch meistens kommt alles ganz anders. Das Paar sitzt im Beratungszimmer nebeneinander auf der Couch und vergisst nach und nach alle Vorsätze. Jeder ist vollauf damit beschäftigt aus der eigenen Sicht die Beziehung zu schildern. Nach einiger Zeit fließen auch bei einem von Beiden die Tränen sobald man an der kritischen Stelle angekommen ist. Ein guter Therapeut ermöglicht durch seine innere Offenheit und das Herstellen eines geschützten Rahmens diese Öffnung der Klienten. Sie sollten sich aufgehoben und geführt fühlen ohne dabei manipuliert zu werden.
Die Redezeit ist in der ersten Stunde meistens nicht gleichmäßig verteilt. Derjenige mit dem größten Leidensdruck braucht am Anfang mehr Aufmerksamkeit. Das sieht in späteren Stunden ganz anders aus. Der andere Partner fühlt sich dann meistens schuldig und versucht sein Verhalten zu rechtfertigen. Es gibt in einem Paarleben aber keine Schuld. Was einer von Beiden macht hängt unmittelbar mit dem Anderen zusammen. Dieser Zusammenhang ist den Betroffenen aber nicht bewusst und dafür brauchen sie therapeutische Hilfe.
Nach fünfzig Minuten ist diese erste Stunde zu Ende und man ist meistens mitten im Gespräch. Egal wie lange man weitermachen würde, die Zeit ist beim Erstgespräch immer zu kurz. Dann gilt es zu entscheiden wie und ob man zu einem anderen Zeitpunkt weitermacht. Meistens möchte ein Partner sofort weitere Termine vereinbaren, während der andere noch das Gefühl braucht, etwas nachträglich entscheiden zu dürfen. Auf die Idee, dass der Therapeut es sich auch überlegen könnte, ob er mit dem Paar arbeiten möchte, kommt selten jemand. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit erfordert aber eine gewisse Sympathie zwischen allen Beteiligten. 86 % der Erstgespräche werden bei mir weitergeführt.