Das Ende der Beratungsstunde

  • Paarberatung, Sexualberatung, Eheberatung

birgt einige Überraschungen

In einigen Beratungsstunden habe ich den Eindruck, dass ich manchen Besuchern wichtige Themen regelrecht aus der Nase ziehen muss, ansonsten würde es die ganze Zeit nur so dahinplätschern. Es ist vielen Paaren nämlich nicht vertraut Wesentliches miteinander zu besprechen. Unter wesentlichen Gesprächen verstehe ich einen tiefergehenden Dialog.

Kurz vor dem Stundenende erwachen diese Paare dann plötzlich aus ihrer Lethargie und es werden Themen mit weitreichenden Folgen angesprochen. Man würde jetzt mindestens eine weitere Stunde benötigen um diese schwerwiegenden Themen auch nur annähernd zu bearbeiten. Es besteht aber kurz vor dem Schluss nicht mehr die Möglichkeit dazu. Natürlich vermutet Jeder zunächst, dass die Beiden die Stunde zum Warmlaufen benötigten, aber selbst nach dem Ende einer Doppelstunde lässt sich dieses Phänomen beobachten.

Warum geschieht so ein scheinbar unvernünftiges Verhalten? Bei näheren Hinsehen stellt sich heraus, dass das Bearbeiten mancher Themen noch nicht möglich ist. Um sich damit (noch) nicht beschäftigen zu müssen, wird es zwar angesprochen, aber zu einem Zeitpunkt, der alles Weitergehende verhindert. Der Therapeut, der das Ende der Stunde einhält, ist dann aus der Sicht des Klienten schuld an der Vermeidung. Das Unbewusste sorgt dafür, dass für das Bewusstsein zu belastende Probleme noch nicht bearbeitet werden. Ein Therapeut, der die Stunde verlängert um diese Themen doch noch zu durchleuchten, kann wirkliche Grenzsituationen erleben. Hiermit sind unerfahrene Therapeuten dann total überfordert.

Alles hat seine Zeit, und das Unbewusste jedes gesunden Menschen sorgt dafür, dass es zu keiner Überforderung des Bewusstseins kommt. Fühlt man sich der Aufarbeitung von Problemen weitestgehend gewachsen, spricht man diese auch zu einem passenden Zeitpunkt an.