Die Frage nach dem erwünschten Geschlecht ihres Kindes beantworten viele werdende Eltern mit: „die Hauptsache es wird gesund.“ Manche Frauen antworten auf Vorhaltungen ihres unzufriedenen Ehemannes, sie hätten ihm doch „gesunde Kinder“ geschenkt. Dieses hört sich dann nach einer Leistung der Frau an. Eltern schreiben die gute Entwicklung ihrer Kinder sich selbst zu. Natürlich kann man sehr viel zur kindlichen Entwicklung beitragen. Aber haben Eltern von behinderten Kindern dann etwas falsch gemacht?
Diese Frage stellen sich fast alle Paare und ihr Umfeld, sobald ein behindertes Kind geboren wird. Sie fragen sich warum gerade sie und hadern mit ihrem Schicksal. Nicht selten kommt es sogar zu gegenseitigen Schuldzuweisungen des Elternpaares. Jetzt zeigt es sich auch welche Freunde und Familienangehörigen wirklich zu einem stehen und wie stabil die Partnerschaft ist. Sie müssen sich gegen so manche Anfeindungen von außen behaupten, wie z.B.: „heute gibt es doch Fruchtwasseruntersuchungen“ oder „vielleicht hätten sie in diesem Alter kein Kind mehr bekommen sollen“. Mit derartigen Äußerungen wird versucht das eigene Ohnmachtgefühl abzuwehren.
Manche Eltern möchten die Behinderung ihres Kindes lange nicht wahrhaben und reagieren auf vorsichtige Hinweise ihres Umfeldes extrem aggressiv. Sie haben Angst nicht mehr dazu zu gehören und sprechen von einem „spät entwickelten“ oder „faulen“ Kind. Behinderung bedeutet für viele Menschen immer noch etwas Unheimliches. Es löst Ängste in ihnen aus und sie möchten damit nicht konfrontiert werden. Eltern fühlen sich durch die Behinderung ihres Kindes persönlich in Frage gestellt und minderwertig.
Ein Kind ist das aus der Beziehung hervorgegangene Produkt zweier Menschen. Bei einem behinderten Kind entsteht zunächst bewusst oder unbewusst das Gefühl bei den Eltern, dass aus ihrer Verbindung nichts „heiles“ hervorgegangen und diese somit nicht in Ordnung ist. Die Trennungsquote von Paaren mit einem behinderten Kind ist extrem hoch. Ohne therapeutische Begleitung bewältigen Paare kaum die erste Zeit mit ihrem Kind. Ihr ganzer Lebensplan ist hinfällig und sie müssen total umdenken. Gerade Väter stürzen sich dann sehr gerne in die Arbeit um wenigstens dort Anerkennung und Ablenkung zu erhalten.
Die Frau fühlt sich von ihm alleine gelassen und baut sich ihr soziales Netz auf. Es besteht hauptsächlich aus ebenfalls von Behinderung betroffenen Eltern, zumeist Müttern. Der Vater kann damit wenig anfangen und zieht sich nur noch mehr zurück. Ohne Eheberatung mit integrierter Erziehungsberatung verlieren sich die Beiden jetzt. Zusätzlich brauchen sie qualifizierte Babysitter und/oder unterstützende Familienangehörige, damit sie regelmäßig Zeit zu zweit verbringen können.