Abschied

04.03.2012

der unterschiedliche Umgang damit

Es gibt verschiedene Arten von Abschied: vorübergehenden und endgültigen, schmerzhaften und befreienden, langsamen und kurzentschlossenen, nötigen und vermeidbaren, einfühlsamen und gleichgültigen. Je nach Situation und den Möglichkeiten der sich Verabschiedenden fällt die Art und Weise des Abschieds unterschiedlich aus. Im Vorfeld kann man deshalb selten erahnen, wie er dann tatsächlich abläuft.  

Eine wichtige Grundlage für den Umgang mit Abschied ist die Kindheit. Eine tragfähige Beziehung zu den Eltern sorgt für die Entwicklung des Urvertrauens beim Kind. Es verträgt auch vorübergehende Trennungen von seinen Eltern und hat die Möglichkeit sich in der Pubertät von ihnen abzunabeln. Ein derart geprägter Mensch ist in der Lage sowohl ein eigenständiges Leben zu führen, als auch Nähe in Beziehungen zulassen zu können.

Diese Persönlichkeiten würden sich, wenn nötig, im Kontakt von Jemandem trennen und sich auch mit den dazugehörigen Gefühlen auseinandersetzen. Bei kurzzeitigen Abschieden hätten sie das Vertrauen auf ein gutes Wiedersehen. Selbst der Tod einer nahestehenden Person wirft sie nur vorübergehend aus der Bahn und wird angemessen betrauert.  

Ganz anders sieht das bei Menschen aus, die als Kind kein oder nur ein unzureichendes Urvertrauen zu ihren Eltern aufbauen konnten. Es spielt dabei kaum eine Rolle, warum das nicht möglich war, denn das Ergebnis ist das Gleiche. Diese Menschen kämpfen zeitlebens mit ihren Verlustängsten und dem daraus resultierenden Misstrauen in ihre Mitmenschen.

Schon kürzere Abschiede, die z.B. wegen einer Dienstreise entstehen, verunsichern sie. Sie neigen aus diesem Grund entweder zum Klammern oder lassen den Anderen erst gar nicht so nah an sich heran. Manche trennen sich lieber um ja nicht verlassen zu werden. Oder sie stoßen ihre Nächsten abrupt von sich, in der Hoffnung, dadurch keinen Trennungsschmerz und keine Enttäuschung aushalten zu müssen. Das Fatale bei ihnen ist, dass sie in Situationen, die sie unbewusst an frühe Verlusterlebnisse erinnern, mit ähnlichen Ohnmachtsgefühlen reagieren wie damals als kleines Kind. Sowohl sie selbst, als auch das Umfeld sind damit überfordert. Diese Koppelung der Kindheitsgefühle an aktuelle Erlebnisse (Regression) kann nur in einer tiefergehenden Therapie bearbeitet werden.