Wozu eigentlich Paartherapie?

19.06.2015

Kriegen wir das nicht auch alleine hin?

Die Begriffe „Paartherapie“, oder auch „Eheberatung“ haben für manche Menschen etwas Anrüchiges, so als ob man einen Makel zugibt, selbst unfähig ist, vielleicht sogar damit eine Partnerschaftskrise provoziert und es damit nur noch schlimmer macht, oder sogar schon kurz vor einer Scheidung steht. Also möchte man mit so Etwas möglichst nichts zu tun haben und fällt aus allen Wolken, wenn der Partner einen damit konfrontiert. So schlecht kann die eigene Beziehung doch gar nicht sein!

 

Der Partner wiederum kann das völlig anders sehen, für ihn (oder sie) sind Begriffe wie „Paartherapie“, oder vielleicht sogar „Sexualtherapie“ positiv besetzt. Sie bedeuten für ihn Hoffnung auf eine Verbesserung der Paarsituation oder eine Unterstützung, damit sich auch kleinere Probleme nicht ausweiten, und sogar Quality- Time miteinander auf der Therapiecouch.

 

Wenn diese beiden, doch sehr unterschiedlichen, Weltanschauungen aufeinandertreffen, dann ist eine Auseinandersetzung vorprogrammiert. Jeder möchte den Anderen von seinem Standpunkt überzeugen. Zunächst geschieht dann meistens gar nichts in Richtung Paartherapie, sondern erst viel später, wenn auch der Weg zum Scheidungsanwalt schon nicht mehr so unpassend wäre. Leider fühlt sich dann der Partner, der der Therapie negativ gegenüber stand, in seiner Meinung bestätigt: es ist erst einmal mühsam. Der Beziehungskarren steckt schon richtig in den Problemen fest und es bedeutet einige Arbeit ihn wieder herauszuziehen. Ohne professionelle Hilfe verhärtet sich die Situation immer mehr, oder es entsteht eine Sprachlosigkeit, die nicht weniger belastend ist.

 

Für den Therapeuten bedeutet dieses spät erscheinende Paar zunächst harte Arbeit. Er muss einerseits mit dem Paar die aktuelle Krise in den Griff bekommen, und zum Anderen mit ihnen an ihrer Partnerschaft, den Auslösern, ihren Waffen, der Beteiligung jedes Einzelnen und deren Zusammenspiel arbeiten. Bei zwei sich bekämpfenden, oder sich vermeidenden Partnern ist das anfangs nicht so einfach.

 

Nach einigen Paartherapiestunden lichtet sich dann plötzlich - und immer wieder überraschend - das Chaos und es ergibt sich eine deutlich entspannte und konstruktive Arbeitsatmosphäre. Jetzt entsteht auch der Raum dafür, sich mit den eigenen Wünschen, Hoffnungen und Ängsten dem Partner zu zeigen. Diese Stimmung führt nicht selten zu einem zweiten Honeymoon.