Wer schon den ersten Termin zur Eheberatung absagt

14.06.2009

erscheint auch beim zweiten Mal nicht

Der gute Wille wäre da. Endlich hat man sich dazu überwunden einen Beratungstermin zu vereinbaren. Glücklicherweise liegt er noch in weiter Ferne. Langsam rückt er näher und es wird einem immer mulmiger dabei zumute. Kurz bevor es soweit ist, findet sich irgendein plausibler Grund die Stunde abzusagen. Die Erleichterung ist deutlich spürbar. Falls ein zweiter Termin vereinbart wurde, wiederholt sich dieses etwas diffuse Unbehagen kurz vor der zweiten Stunde und auch diese wird von einem der beiden Partner storniert. Spätestens jetzt ist es dem Therapeuten klar, dass ein weiterer Anlauf keinen Sinn macht.

Was steckt hinter diesen Rückziehern, die übrigens bei 8% der Neuanmeldungen vorkommen? Diese Frage kann der Betroffene nicht selbst beantworten. Jeder Mensch ist mit einem Unbewussten ausgestattet, das dafür sorgt, dass er vor sehr schwierigen Gefühlen verschont bleibt. Das bezeichnet man als Verdrängung. Gelegentlich, oder regelmäßig drängen einzelne verdrängte Anteile in verschlüsselter Form aus dem Unbewussten ins Bewusstsein und bereiten demjenigen Schwierigkeiten. Ist der Leidensdruck gerade sehr groß, vereinbart dieser dann einen Beratungstermin beim Therapeuten. Zu diesem Zeitpunkt erscheint dieser Schritt auch machbar. In der Zwischenzeit schaltet sich aber wieder der Abwehrmechanismus des Unbewussten ein und versucht mit allen Mitteln eine Aufdeckung zu verhindern. Der Leidensdruck durch die Paar-Schwierigkeiten scheint dann erträglicher, als das Offenlegen des eigentlich Verdrängten.

Dieses ist keinem der beiden Partner bewusst und dadurch können sie auch nicht dagegen ankämpfen. Stattdessen erfinden sie abwechselnd oder miteinander ständig neue Gründe warum sie einen Termin nicht wahrnehmen können. Wären es wirklich nur äußere Verhinderungsgründe, dann könnte auch einer alleine schon einmal mit der Paartherapie beginnen. Dadurch sinkt die Angstschwelle beim nächsten Mal für den Partner.