Wenn aus Liebe Hass wird

10.02.2013

Nur eine vorübergehende Krise?

Zuerst ist es nur ein gelegentliches genervt sein vom Partner, dann nimmt die Unzufriedenheit zu und schließlich schleicht sich etwas ein, das man lieber nicht spüren möchte: ein zunehmender Hass. Alles was der Andere macht wird negativ bewertet und auch nur dessen Anwesenheit ist oft schon unerträglich. Aber wie soll man damit umgehen? Es dem Partner in der ganzen Härte sagen? Natürlich merkt er schon länger etwas, aber dieses Hass-Gefühl übertrifft bei Weitem alle seine Vermutungen. Abwarten hat bisher auch nichts gebracht, ganz im Gegenteil, es wurde nur noch schlimmer. Also sieht man nur einen Ausweg: die Trennung.

Genau das will der Partner aber keinesfalls. Er beginnt um die Beziehung zu kämpfen und versucht alles Recht zu machen. Das treibt den Genervten aber nur noch mehr weg, er hat schließlich schon fast mit der Partnerschaft abgeschlossen und will eigentlich nur noch seine Ruhe haben. In dieser Krise wenden sich die Paare dann an mich und zwar mit zwei unterschiedliche Aufträgen. Der eine Partner möchte eine Eheberatung oder eine Paartherapie und der Andere eine Trennungsberatung. Ich komme Beiden entgegen und schlage eine Aufarbeitung der Beziehung vor, allerdings mit offenem Ende.

Die Aufgabe der nächsten Beratungsstunden besteht hauptsächlich darin, die unbearbeiteten und vom genervten Partner bisher nicht ausreichend zum Ausdruck gebrachten Ärgernisse näher anzusehen. Endlich findet er Gehör. Manchmal muss ich regelrecht dazwischen gehen, weil der Andere sich beschuldigt fühlt und sich ständig rechtfertigen möchte. Es geht aber darum den Raum für alles Störende zu schaffen, damit der Trennungswillige sich von seinem Partner wieder wahrgenommen fühlt. Zu viele unter den Teppich gekehrte Kritikpunkte können die Liebe zum Partner nämlich schwinden lassen.

Manchmal bekommt der Partner aber auch negative Gefühle ab, die eigentlich woanders hingehören. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um das eigene Elternhaus. Die Partnerwahl hängt häufig mehr mit der Herkunftsfamilie zusammen als einem bewusst ist. Im Laufe der Jahre schleichen sich dann noch Gefühle ein, die Ähnlichkeiten mit denen aus der Kindheit aufweisen, den Eltern oder einem Elternteil gegenüber. Ohne professionelle Hilfe ist es nicht so einfach diese Verstrickung aus Partnerschaft und Familiengeschichte zu entwirren. Das wiederum ist aber auch eine Voraussetzung für eine weitestgehend unbelastete Beziehung.