Vor dem Urlaub noch zur Eheberatung oder Paartherapie?

28.07.2014

Hat das so kurz vorher überhaupt einen Sinn?

Die letzten Monate ging man sich in der Partnerschaft entweder aus dem Weg, oder man geriet wegen Kleinigkeiten in Streit. Lange konnte man es auf die momentan schwierigen Umstände schieben und auf Besserung danach hoffen. Inzwischen muss man sich eingestehen, dass die Probleme leider ein Dauerzustand sind und unabhängig von Stresssituationen weiter bestehen. Der Weg zu dieser Erkenntnis war nicht einfach. Die Hoffnung fühlte sich besser an. Nun steht der große Urlaub bevor, und die Angst vor der langen Zeit miteinander ohne Ausweichmöglichkeiten macht sich immer deutlicher bemerkbar. Der Zeitpunkt rückt näher und es geschieht nichts, was auf einen harmonischen Urlaub hindeuten könnte. Eher das Gegenteil ist der Fall: der Ton wird noch gereizter. Was also tun?

Ein gemeinsam, extra zu diesem Zweck anberaumtes Gespräch eskalierte völlig. Es ging sogar schon so weit, dass beide überlegten die Reise entweder zu stornieren, oder sie alleine anzutreten. Das würde in diesem Fall aber den endgültigen Bruch bedeuten. Also muss eine andere Lösung her! Freunde als Vermittler waren entweder parteiisch oder hilflos und Familienangehörige wollte man nicht belasten. Warum nicht noch vorher zur Paartherapie? Aber macht das so kurz vor dem Urlaub überhaupt noch einen Sinn?

Als Therapeut hat man meistens einen Überblick und ist nicht in die Paarbeziehung involviert. Das Entscheidende ist aber, wie man dem Paar die wichtigen Erkenntnisse vermittelt. Eigentlich wäre es sinnvoll dies mit den Partnern gemeinsam zu erarbeiten. Ist die Zeit dafür nicht ausreichend vorhanden, geht es darum Prioritäten zu setzen. Die Ziele sollten machbar und gleichzeitig auch entlastend sein.

Die Erwartungshaltung jedes Einzelnen spielt eine wesentliche Rolle. In Kürze kann man auch mit noch so guter Hilfe nicht alles richten, aber man kann schon etwas auf den Weg bringen. Ein Zauberwort ist hier „Erwartungsfrei“. Wem es gelingt, zumindest für eine bestimmte Zeit seine Erwartungen so weit wie möglich abzustellen, kann auch positive Dinge am Partner wahrnehmen, die durch die bisherigen Enttäuschungen verdeckt waren. Damit ist keine Verdrängung gemeint, sondern ein vorübergehendes Beiseitestellen.

Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Selbstreflexion. Jeder von Beiden bekommt seine Aufgabe und befasst sich damit ohne Schuldzuweisungen dem Anderen gegenüber. Es hängt natürlich davon ab, wie offen jeder Einzelne für Veränderungen ist. Bei zwei wirklich interessierten Menschen, kann in der Paartherapie auch in Kürze schon etwas bewegt werden. Selbstverständlich wäre es sinnvoll den Weg auch nach dem Urlaub fortzusetzen.