Unterschiedliche Vorstellungen zur Wochenend-Gestaltung

21.04.2017

Ein häufiges Thema in der Paartherapie

Er oder sie möchte nach der anstrengenden Woche gemütlich auf der Couch liegen und der Partner will unbedingt einen Ausflug unternehmen, Freunde treffen oder Sport treiben. Falls dies öfter vorkommt führt das zwangsläufig zu Unstimmigkeiten. Schließlich fiebert man schon die ganze Woche über auf diese zwei freien Tage hin und möchte in dieser kostbaren Zeit all das machen, wozu man sonst nicht kommt. Das Ganze soll dann am Besten auch noch mit dem Partner stattfinden. Doch dieser führt ein Eigenleben und hat vielleicht ganz andere Pläne.

Die Qualität der Beziehung

An der Lösung dieses Paarkonflikts lässt sich ganz gut die Qualität einer Beziehung ablesen. Idealerweise sucht das Paar nach Kompromissen oder Gemeinsamkeiten. Das könnte eine abwechselnde Wochenendplanung, oder eine Gestaltung sein, bei der jeder zu seiner Bedürfniserfüllung kommt. In dieser Beziehungsform ist Jeder bereit zu Gunsten der Beziehung Opfer zu bringen.

Fehlende Flexibilität

Leider ist es manchen Menschen aber, auf Grund einer psychischen Störung, nicht oder nur sehr schwer möglich sich auf die Wünsche eines Anderen einzustellen. Das trifft vor allem dann zu, wenn diese von den eigenen Vorstellungen abweichen. Eine Partnerschaft gelingt in diesem Fall dann nur, wenn der Andere entweder sehr ähnlich ist, oder sich unterordnet. Meistens ist Beides nicht von langer Dauer und der Partner entwickelt sein eigenes Profil und rebelliert.

Die Vermeidungshaltung

Einige Paare vermeiden diese Konflikte irgendwann, indem sie die Wochenenden, und die Freizeit überhaupt, weitgehend getrennt verbringen. Hier besteht natürlich die Gefahr, dass man sich auseinanderlebt und irgendwann Jemanden trifft, mit dem man seine Zeit lieber verbringt als mit seinem Partner. In dieser Phase begeben sich viele Paare als allerletzten Schritt zur Paartherapie.

Beim Paartherapeuten

Als Therapeut sitzt man dann einem Paar gegenüber, das sich über Jahre, oder gar Jahrzehnte auseinandergelebt hat. Es käme ohne die Bedrohung durch eine Außenbeziehung auch überhaupt nicht zur Paartherapie. Sie hatten sich ja vorher gut arrangiert. Jeder kam auf seine Kosten und man erhielt sich weiterhin das mehr oder weniger warme Familien- oder Beziehungsnest.

Die Ängste hinter dem Konflikt

Im Vergleich zur Vermeidungshaltung ist eine Partnerschaft eher ein Stressfaktor: man reibt sich, setzt sich auseinander und muss sich dem Anderen auch noch öffnen. Die Belohnung in Form von Nähe, Liebe und Sexualität findet erst nach einiger Arbeit statt. Im Laufe der Paartherapie kommen dann noch ganz andere Zusammenhänge zum Vorschein. Der fehlenden gemeinsamen Freizeit liegt so Manches zu Grunde: z.B. die Angst mit dem anderen sportlich nicht mithalten zu können, die Befürchtungen sich selbst aufzugeben, die Sorge den eigenen Freundeskreis zu verlieren, manchmal auch das Unvermögen sich zu dem Partner zu bekennen oder die Angst etwas zu verpassen. 

Erst nachdem diese und andere zu Grunde liegenden Ursachen (es sind meistens mehrere) erkannt und bearbeitet wurden, kann sich dauerhaft etwas verändern. Sich nur zu etwas zwingen hält nicht lange vor.