Trost spenden

02.05.2013

Wie gehe ich mit dem Kummer meines Nächsten um?

Das kennt Jeder von sich: man ist bei etwas Wesentlichem gescheitert. Das kann eine missglückte Prüfung sein, ein danebengegangenes Projekt, ein verlorenes Spiel, eine Kündigung, eine Insolvenz oder gar eine gescheiterte Beziehung. Der Umgang mit Katastrophen sieht bei jedem Menschen anders aus. Manche verdrängen es und lenken sich so gut wie möglich ab, Andere versuchen die Fehler bei sich zu finden, wieder Andere geben weiteren Beteiligten die Schuld dafür, Einige analysieren oder bearbeiten die Situation mit einem Therapeuten, Manche ziehen sich zurück und trauern oder ertränken ihren Kummer gar in Alkohol.

Das Umfeld fühlt sich meistens hilflos im Umgang mit dem Kummer des Betroffenen und versucht ihn in irgendeiner Form zu trösten. Häufige Sätze des Tröstenden lauten: „Für irgendetwas wird es schon gut sein.“ oder: „Die Zeit heilt alle Wunden.“ oder: „Beim nächsten Mal wird alles besser.“ Diese Aussagen sind leere Floskeln und zeigen die Unfähigkeit den aktuellen Zustand zu ertragen und geben dem Betroffenen auch noch das Gefühl Andere mit seinem Kummer möglichst wenig behelligen zu dürfen.

Wie könnte man aber stattdessen damit umgehen? Zuerst sollte man nachfragen, welche Art von Bewältigung der Betroffene bevorzugt z.B.: „Was brauchst Du gerade, was kann ich für Dich tun?“ oder „Möchtest Du mit Jemandem darüber reden?“ oder „Hast Du Interesse daran etwas mit mir zu unternehmen?“ Je nach Schwere der Situation sollte man ihm aber auch vermitteln, dass man seinen Schmerz ernst nimmt: „Ich kann mir vorstellen wie es Dir geht und weiß, das es im Moment wahrscheinlich keinen wirklichen Trost dafür gibt.“ Außerdem empfiehlt es sich ihm die Zeit zu geben, die er zur Bewältigung benötigt, und nicht auf schnelle Heilung zu drängen.

In den meisten Fällen muss man die Wünsche des Leidenden respektieren und darf ihm nichts aufnötigen, oder ihn gar mit seiner eigenen Geschichte belasten. In schwerwiegenden Fällen aber, z.B. wenn der Betroffene für längere Zeit depressiv wirkt, aufhört zu essen, sich selbst Schaden zufügt, suizidgefährdet wirkt o.ä., dann müssen, notfalls auch gegen seinen Willen, professionelle Helfer hinzugezogen werden.