Sexualtherapie oder Paartherapie?

13.04.2013

alleine oder zu zweit?

Statt eines Paares suchen mich immer wieder auch einzelne Partner auf, weil sie der Meinung sind alleine für ein Beziehungsproblem zuständig zu sein. Speziell bei sexuellen Themen kommt dies häufiger vor. „Nur ich habe doch keine Lust auf Sex, deshalb muss ich mich doch alleine behandeln lassen“ oder „nur ich leide unter sexuellen Störungen und brauche deshalb Hilfe“ oder „mein Partner schickt mich, weil ich das Problem bin.“

Schon nach kurzer Zeit zeigt sich mir im Gespräch, dass doch beide Partner an den Schwierigkeiten beteiligt sind, einer sich aber mit seinem Anteil daran nicht befassen möchte. Was also tun? Die Sexualität ist eingebunden in die gesamte Beziehung und leidet als erstes darunter, wenn Einiges aus dem Gleichgewicht geraten ist. Um die Ursachen zu erfassen, muss aber die ganze Partnerschaft be- bzw. durchleuchtet werden. Das Entscheidende dabei ist allerdings nicht meine Erkenntnis, sondern die der Betroffenen.

Manche Punkte sind so schmerzhaft besetzt, dass Einer von Beiden gar nicht hinsehen möchte und deshalb auch nicht zur Paar- und Sexualtherapie mitkommt, zumindest anfangs nicht. In den meisten Fällen siegt dann doch die Neugierde, wenn der Partner dann so die eine oder andere Erkenntnis mit nach Hause bringt und der Andere dann das Ganze nicht nur aus der Ferne betrachten, sondern mitgestalten möchte. Auf Dauer ist es auch sinnvoll gemeinsam eine Beratung oder Therapie zu besuchen, weil sonst die Gefahr besteht, dass Beide sich durch die Weiterentwicklung nur eines Partners zu sehr voneinander entfernen.

Ein häufiges Argument für das angeblich alleinige Problem eines einzelnen Partners ist, dass er diese Schwierigkeiten schon in die Beziehung mitbrachte. Aus der Sicht eines Laien mag das auch ganz logisch klingen. Tatsächlich finden aber immer nur zwei Menschen zusammen, die Vieles miteinander verbindet. Könnte man in den ersten Minuten ihres Kennenlernens in das Unbewusste der Beiden schauen, wüssten sie schon, was sie in dieser Beziehung erwarten wird. Nachdem das aber, falls überhaupt, nur durch Hypnose möglich wäre, spüren sie es im Normalzustand bestenfalls nur vage. Bringt also Einer ein schwerwiegendes Problem mit, würde der Andere sich nicht auf ihn einlassen, falls er selbst damit überhaupt nichts zu tun hätte.