Passt das Lebenskonzept noch?

25.09.2012

Wenn das bisherige Lebensmodell ins Wanken gerät

Die Redewendung „sich selbst treu bleiben“ könnte zum Nachdenken darüber anregen, was damit eigentlich gemeint ist. Bedeutet es an einer vor Jahrzehnten getroffenen Entscheidung für immer festzuhalten, egal wie sich die inneren und äußeren Rahmenbedingungen inzwischen verändert haben? Oder heißt es, dass der Charakter eines Menschen im Laufe seines Lebens immer gleich bleiben soll? Eine andere Möglichkeit wäre aber auch die eigene Entwicklung in die Entscheidungen mit einzubeziehen und auf die innere Stimme zu hören, sofern diese nicht nur von Ängsten gespeist wird. Lebenseinschränkende Ängste sollten auf jeden Fall therapeutisch behandelt werden, ansonsten findet keine wirklich freie Entscheidung statt.

Der Mensch unterscheidet sich von den meisten Tieren durch eine permanente Weiterentwicklung und einen mehr oder weniger freien Willen. Ungünstige Einflüsse, vor allem in der Kindheit, behindern diesen Willen. Bei manchen Menschen wirkt sich das so massiv aus, dass sie kaum noch Zugang zu ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen haben und nur noch funktionieren. Deren Leben verläuft dann in sehr geregelten Bahnen. Das geht aber meistens nur so lange gut, bis ein aufrüttelndes Ereignis ihr geordnetes Leben durcheinanderbringt. Erst daraufhin suchen sie notgedrungen einen Therapeuten auf.

Zunächst verfluchen sie diese Störung, die auch meistens sehr unangenehm ist. Je starrer ein Leben verläuft, desto massiver sind die Einbrüche (oder werden zumindest so empfunden), um überhaupt etwas in Gang zu setzen. Viele längst überfällige Entwicklungsschritte werden jetzt zwangsläufig mit professioneller Hilfe in einem Eiltempo durchlaufen. Das Ergebnis dieser daraus resultierenden Lebensumstellung ist meistens viel befriedigender als die Zeit vorher.